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Heimat im Fokus

Tom Tykwer über den Film „Deutschland 09“ und den Reiz vertrauter Hotelzimmer. Als Filmemacher ist er ständig auf der Suche. Nach neuen Bildern, neuen Geschichten, mehr Experimenten. Privat ist er längst angekommen– in Berlin.

 

Text: Anja Christina Lohmann
Fotos: Christian Thomas

 

Sie haben den Episodenfilm „Deutschland 09“ initiiert. Warum war es ausgerechnet jetzt an der Zeit, das Projekt von Fassbinder und Schlöndorff zu wiederholen? 

Das ist eigentlich eher Zufall. Dass jetzt genau 30 Jahre zwischen dem letzten ähnlichen Projekt und unserem liegen, ist natürlich schon interessant. Das Projekt damals entstand vor dem Hintergrund der sehr besonderen politischen Situation. Wir dagegen haben absichtlich darauf verzichtet, uns auf ein konkretes Themenfeld zu konzentrieren. Wir wollten uns in dieser Hinsicht gar nicht festlegen, sondern viele unterschiedliche Aspekte aufzeigen.

 

Sie haben mal gesagt, „Deutschland 09“ suche nach einer Idee von Deutschland. Haben Sie eine gefunden? 
Den Ausdruck „Idee“ habe ich ganz bewusst gewählt, als etwas Offenes, nicht unmittelbar Greifbares. „Skizze“ würde es vielleicht noch besser treffen. Der Film strebt ja kein wirkliches Ergebnis an, dennoch hat der Zuschauer am Ende durch die einzelnen Kurzfilme und ihre Anordnung eine Ahnung bekommen.

 

Warum haben Sie sich mit Ihrer Geschichte „Feierlich reist“, die in Marriott-Hotels gefilmt wurde, für eine Episode über das Reisen und das Leben in Hotels entschieden? 
Reisen ist ein wichtiges Phänomen unserer Zeit, ein Phänomen der Globalisierung. Alles und jeder ist ständig in Bewegung. Das birgt natürlich viele Möglichkeiten, ist aber auch nicht ganz unproblematisch. Damit muss man erst mal klarkommen. Bei häufigen Ortswechseln bieten Hotelgruppen eine gewisse Konstante. Die Räume und Zimmer sind immer in etwa ähnlich ausgestattet, egal in welchem Land oder in welcher Stadt man sich aufhält. Das gibt einem eine Sicherheit, sich auf gewisse Dinge verlassen zu können; in vertrauten Räumen findet man sich einfach schneller zurecht.

 

Geht Ihnen das selbst auch so?
Wenn ich für die Arbeit unterwegs bin, tendiere ich auch manchmal dazu, schon bekannte Hotels oder Hotelgruppen zu wählen. Es hilft, ein Stück weit Gewohntes um sich zu haben, wenn alles andere neu ist. Schade wäre allerdings, die Welt draußen auszusperren, sich ihr zu verschließen.

 

Viele Menschen nehmen persönliche Dinge mit auf ­Reisen, um sich fremde Hotelzimmer ein bisschen ­heimatlicher zu machen. Haben Sie so einen „persönlichen Begleiter“? 
Das wäre wohl mein Computer. Der ist in dem Sinne zwar nichts Persönliches, aber damit kann ich mit allen, die mir wichtig sind, in Verbindung bleiben. Das ist ja auch so ein Phänomen unserer Zeit: Früher schrieb man einen Brief, und der brauchte dann zwei Wochen, heute gibt es SMS und E-Mail, mit denen man ständig kommuniziert. Dadurch entsteht eine ganz andere Erfahrung von Zeit und Distanz.

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