Suche











laedt
Alle Eingaben löschen

Social Web

 

 

 

Verlosung

Gewinnen Sie 2x2 Erlebnisflüge am Steuer eines Passagierjets im originalgetreu nachgebauten Flugsimulator von iPILOT weiter

Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den Diners Club Destinations Newsletter! weiter

Der Rebell, der Punk und das Mädchen

Er spielt den Tod und liest aus der Bibel. Er schreibt Kinderbücher und will am liebsten Clown sein. Wer ist dieser Ben Becker? Begegnung mit einem Schauspieler irgendwo zwischen Enfant terrible, Genie und Schlawine.

Diesen Mann muss man nicht sehen, um ihn zu erkennen. Die Stimme finster und kratzig, vibrierend und dröhnend, voller Pathos, aber auch von anziehender Rauheit. Sie gehört einem Rebellen, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen dämonisch, randständig, zügellos, für die anderen höllisch verführerisch, begnadet und unwiderstehlich. Eines aber ist klar: Er polarisiert. Mir seiner narrativen Wucht, mit seiner Schauspielkunst, mit seinen Liedern - überhaupt mit seinem Leben. Ben Becker. Schauspieler, Rezitator, Sänger - irgendwie provokantes Gesamtkunstwerk.

 

Dafür wurde schon in Kindesjahren das Fundament gelegt. Sein engster Familienkreis: Er ist der Sohn der Schauspieler Monika Hansen und Rolf Becker. Seine Schwester ist Meret Becker, sein Ziehvater Otto Sander. "Ich kann nichts anderes außer Kunst machen! Ich bin im Theater aufgewachsen. Ich wollte immer schon Clown werden. Und letztlich bin ich das ja auch geworden", sagt Becker. Schon als Kind wirkte er bei Hörspielen mit und übernahm frühzeitig kleine Filmrollen. Dann Engagements in Hamburg, Stuttgart, Düssel­dorf und und und. Hinzu kamen Film- und Fernsehproduktionen. Seinen endgültigen Durch­bruch hatte Becker durch seine Rolle in Joseph Vilsmaiers Film "Schlafes Bruder". Dann spielte er in der Filmbiografie "Comedian Harmonists". Eine eindrucksvolle Charakterdarstellung lieferte Becker in dem von Oliver Hirschbiegel realisierten Drama "Ein ganz gewöhnlicher Jude" ab. Eine One-Man-Show, 90 Minuten Monolog für das Kino. In jüngster Vergangenheit kam dann der Ritterschlag für einen jeden Schauspieler. 2009 hieß der "Tod" in Salzburg Ben Becker, als er in Hugo von Hoffmannsthals Stück "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen mitwirkte. "Der Tod steht ihm gut", hieß es in den Kritiken für diese Paraderolle. "Man müsste schon unsen­sibel sein, wenn man bei dem Stück nicht über den eigenen Abgang nachdenkt - aber natürlich nicht permanent", sagt Becker, der stets einen massiven Totenkopfring am Finger trägt.

Gier nach Leben

Und das nicht ohne eine gewisse Pikanterie. Am Morgen des 27. August 2007 wurde er nach einem Drogenabsturz leblos in seiner Wohnung gefunden. Lebensgefahr. Ein Notarzt musste ihn wiederbeleben. Drei Minuten später, er wäre tot gewesen. "Irgendwann komme ich in die Küche, und da lag der Teufel vor mir auf dem Tisch." Eine Spritze, die er sich einfach gesetzt habe. Ohne nachzudenken. Das tat er erst, als er auf der Intensivstation wieder aufwachte. "Es war ein Schock. Ich lebe ja gerne! Die Arbeit macht mir Spaß! Ich liebe meine Familie! Und es kann nicht sein, dass ich mir bei alldem selbst im Weg stehe", resümiert der 47-Jährige.

 

Nach dem gefährlichen Absturz ging es für vier Wochen in die Reha-Klinik. Und dort ist er - genau - wieder bockig, schwimmt gegen den Strom. Statt einen Baum zu fällen, entscheidet er sich dazu, ein Körbchen zu flechten. Unerwartete Reaktionen schüttelt Becker mit Leichtigkeit aus dem Ärmel und gibt den verschmitzten Schlawiner mit einer Gier nach Leben. Von Otto Sander, dem prägenden Vorbild und Freund für Ben, habe er eine Sache gelernt: "Man kann Scheiße bauen, aber man darf nicht lügen."

 

Doch Becker zählt nicht nur zur jungen Elite der europäischen Schauspielkunst. Er ist auch Musiker. Manchmal singt die Koryphäe des Berliner Nachtlebens auch in seiner Bar "Trompete" in Berlin. Mittlerweile hat er mehrere CDs aufgenommen, etwa den Sampler "Rilke-Projekt" zusammen mit dem Sänger Xavier Naidoo. Immer wieder hat er Auftritte mit seiner Zero Tolerance Band. Die Bandbreite reicht vom Sprechgesang bis hin zu Punk. Das war er auch als Heranwachsender in der damaligen Berliner Enklave vor dem Mauerfall. Randale und Ver­- haftungen gab es in dieser Zeit nicht nur ein Mal für Ben Becker, der von sich sagt, als eher schmächtiges Kind habe er gerne mit Puppen gespielt. Dann der Rollenwechsel als Punk: "Ich war immer noch dieses kleine Mädchen, das Spaß haben will. Man nimmt einen Pflasterstein und wirft den irgendwohin. Oder schießt den Nachbarn einen Fußball ins Fenster."

„Ach, der Becker wieder …“

Apropos: Fußball-Fans des FC Bayern München wird Becker gut in Erinnerung sein. Hat der doch so oft als Enfant terrible bezeichnete Künstler in einem Radiointerview mal kurz "Kaiser" Franz Beckenbauer für tot erklärt. Der nahm diese Aktion gelassen, andere nicht. "Mir fällt es schwer, nur meine Kunst für mich sprechen zu lassen. Ich muss dann immer noch weiterspielen, auch wenn ich längst von der Bühne runter bin. Was schnell dazu führt, dass die Leute einem die Kunst nicht mehr abnehmen. Die sehen dann nicht mehr den Schauspieler, die sagen: Ach, der Becker wieder ..."

Becker und die Bibel

Berührungsängste scheinen dem gebürtigen Bremer fremd. Das gilt auch für eine Lesereihe, in der Becker aus der Bibel Texte aus dem Alten und Neuen Testament zitierte. Groß, größer, am größten. Eine Bühnenschau, monumental und gewaltig. Die Schlagzeilen überschlugen sich: "Jesus mag Gottes Sohn sein, aber Ben Becker ist seine Stimme" oder "Ben Beckers göttliches Comeback". Für ihn hat die Auseinandersetzung mit dem Buch der Bücher einiges gebracht. "Es hat mich auf jeden Fall verändert. Aber wie weit ich an Gott glaube, meine Auffassung von Gott, die bleibt bei mir."

 

Manchmal, ja, da habe er eine Sehnsucht nach einer heilen Welt. Und die scheint er in seinem eigenen Kosmos zumindest zum Teil gefunden zu haben. Mehr als eine Dekade ist er mit der Schauspielerin Anne Seidel liiert, zusammen haben sie eine Tochter. Wahrscheinlich davon inspiriert, veröffentlichte Becker mittlerweile zwei Kinderbücher. Drei Dinge, so sagt er, würde er auf eine einsame Insel mitnehmen: "Meine Frau, meine Tochter und die Bibel. Eventuell die Bibel von Mao Tse-Tung." Er kann es nicht lassen. Und man hat das Gefühl, der zweifache Grimme-Preisträger nimmt fast jede Facette des Lebens mit. Die Welt hat die entsprechenden Reaktionen parat: verurteilen, verzeihen, ver­zaubert sein. Je nachdem, aber unbedingt und konsequent.

Lesezeichen / Weitersagen

Bookmark and Share


 
  • Re:

    In awe of that answer! Ralley cool!

Kommentar schreiben

* = Pflichtfelder
  •   



  • Bitte geben Sie hier ein Wort ein. Dies dient der Spam-Abwehr.
    Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.* CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz