Mandarin Oriental Bangkok - Eine Legende
Seit mehr als 135 Jahren machen Touristen auf ihren Reisen Halt im Mandarin Oriental Bangkok. Kurt Wachtveitl führte es als eines der zwei Starthotels von Mandarin Oriental an die Weltspitze des Luxus-Segments. Promis, Politiker, Könige – sie alle waren Wachtveitls Gäste. Das Hotel - und er selber - wurden zur Legende.
Text: Matthias Dittmann

- Kurt Wachtveil, Grand Seigneur der Grand Hotels. Nach über 45 Jahren in der Branche kennt er sich bestens aus. Foto: Mandarin Oriental
Das liegt natürlich auch an seiner Person, ein ehrwürdiger, stolzer Vertreter seines Faches, ein Grand Seigneur mit tiefer Leidenschaft für Grand Hotels. 42 Jahre lang leitete er die Geschicke des The Oriental. Dann gab er die Zügel ab. Ruhestand? Fehlanzeige! Inzwischen begleitet er Mandarin Oriental in die Zukunft und macht aus guten Hotels sehr gute.
Diners Club Destinations unterhielt sich mit ihm über seine Karriere. Er verriet außerdem, wie ein Grand Hotel sein sollte.
DCD: Herr Wachtveitl, Sie sind inzwischen Berater der Mandarin Oriental Hotels und sind häufig Unterwegs. Kein ruhiger Job. Sie sagten einmal, Sie würden Ihren Beruf so lange ausüben, wie Sie Energie hätten – und dann das Handtuch wie ein Boxer werfen. Was war für Sie der Grund, in Bangkok aufzuhören?
Wachtveitl: Da haben Sie recht. Auch für diesen Job braucht man Energie. Aber so ist es ja nicht immer. Ich genieße meine Zeit. Vier bis acht Monate im Jahr arbeite ich, hauptsächlich in München, den Rest verreise ich, bin zum Beispiel in Bangkok. Ich hatte dort eine lange, gute und intensive Zeit, habe viel erlebt, viele Menschen kennengelernt, Könige, Celebrities. Ich habe einfach einen Cut gemacht und gesagt: das war’s.
DCD: Sie haben eine große Karriere hinter sich, gelten als Ikone der Hotelbranche. Welchen Preis hatte das? Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas vermisst zu haben?
Wachtveitl: Was ich vermisst habe, ist die Natur und die Kultur. Ich kann jetzt Frühling, Herbst und Winter erleben. In Thailand war es entweder heiß oder sehr heiß. Und was in München an Kultur geboten wird, das ist schon toll. Da ist München schon mit London und New York vergleichbar. Das hole ich jetzt eben nach. Man kann nicht alles haben im Leben.
DCD: Mit 30 wurden Sie Hotelmanager im Mandarin Oriental Bangkok – und blieben dort. Sollte man als Hotelmanager irgendwann sesshaft werden, einem Haus treu bleiben, wie Sie es getan haben?
Wachtveitl: Der ideale Hotelmanager ist Mitte 40, wenn er anfängt, und bleibt, bis er 65 ist. Hier in München zum Beispiel müsste er jeden kennen vom FC Bayern über Vorstände und Professoren, den Leuten von der Oper und vom Gasteig. Der müsste jede Handynummer haben. Das wäre ideal für das Haus. Wie man das häufig handhabt, alle drei Jahre einen neuen Manager, das finde ich nicht gut. Aber das kommt natürlich auch auf das Alter und die Ausbildung an. Erfahrung braucht man natürlich. Und dann kommt auch irgendwann der Moment, wo man sich niederlassen will.

- Am Chao-Fraya-Strom liegt das alte Hotel The Oriental. Es ist eines der ersten Mandarin Oriental Hotels. Foto: Mandarin Oriental.
Die Zukunft der Grand Hotels
DCD: Sehen Sie eine Zukunft für klassische Grand Hotels? Was müssen diese tun, um interessant zu bleiben?
Wachtveitl: Wir haben da einen guten Weg gefunden, zwischen Palast- und Designhotel. Gutes Beispiel ist unser Haus in Barcelona. Es überzeugt durch zeitgenössische Eleganz, hochwertige Materialien und einen erstklassigen Service. Diese Dinger werden auch in 20 oder 30 Jahren noch gefragt sein. Wichtig ist auch immer das unterschiedliche lokale Flair. Man soll schon wissen, wo man aufwacht. Unsere Hotels haben kein international einheitliches Design, wo jedes Hotel gleich aussieht.
DCD: Mit welchen Herausforderungen haben heutige Hotelmanager zu kämpfen?
Wachtveitl: Mit Finanzen. Sales und Marketing können viel Zeit rauben. Als ich angefangen habe, gab es in Bangkok drei, vielleicht vier gute Hotels. Heute ist jeder dort. Der Konkurrenzdruck ist unglaublich hoch, und irgendwie muss man die Besucher ja ins Hotel ziehen. Also beschäftigt man sich als Hotelmanager zwangsläufig mit diesen Bereichen. Das ist aber schade, weil jede Stunde, jeder Tag, den man mit Sales und Marketing zu tun hat, natürlich nicht mit den Gästen verbringt.
DCD: Sie sagten einmal, Luxus bedeute, Träume zu verkaufen. Welche Träume haben Sie? Was ist für Sie Luxus?
Wachtveitl: Heutzutage ist das Zeit. Die Welt ist schnelllebig und hektisch geworden. Vieles kann elektronisch beschleunigt werden. Der Computer bietet eine Menge neuer Möglichkeiten, vereinnahmt aber die Menschen. Unsere Gäste im Mandarin Oriental merken das auch. In anderen Hotels verlassen die Besucher das Hotel nach dem Frühstück und kommen abends mit voll gepackten Einkaufstaschen wieder. Wo ist da der Gewinn? Bei uns bekommen die Besucher Zeit. Das Hotel selbst wird zur Sehenswürdigkeit.
Info
Mandarin Oriental Bangkok,
48 Oriental Avenue,
10500 Bangkok,
Tel. 0066/2/6599000,
www.mandarinoriental.com/bangkok





