Hotel Muottas Muragl: Bergromantik auf 2.456 Meter
Hochgefahren mit der alten, roten Standseilbahn sind schon viele: Bergsteiger und Promis, Pelz- und die Turnschuhträger, Könige und Kanzlerinnen. Des Blicks auf St. Moritz wegen, der so kitschig sein kann wie eine nachkolorierte Postkarte aus den 60er-Jahren.
von Jens Leichsenring

Oben geblieben sind aber nur die wenigsten, der eher spartanischen Übernachtungsverhältnisse wegen. Bis, ja bis das Berghotel Muottas Muragl, das seit über 100 Jahren auf fast 2.500 Meter Sonne, Wind und Kälte trotzt, im vergangenen Jahr für 20 Mio. Franken renoviert und zum Romantik Hotel wurde. Dabei machten es die Graubündner wieder einmal vor, wie harmonisch sich ein Haus in landschaftlich einzigartiger Lage mit Liebe zur Tradition, modernem Komfort und ökologischer Nachhaltigkeit verbinden lässt. So ist keine 08/15-Luxus-Location oder Promi-Alm im Jodelstil entstanden, sondern eine authentische, durchaus gemütliche, für Pärchen romantische Herberge, die dank Photovoltaik, Röhrenkollektoren und Erdwärmegewinnung mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht.
Mit Zirbelholz und schwarzem Schiefer dominieren in den schlicht, aber edel designten Zimmern natürliche Materialien. Der wundervolle, intensive Geruch des Holzes ist dabei einprägsamer als jeder synthetische „Signature-Duft“ mancher Luxushotelketten.
Unvergesslich brennt sich auch das Abendessen ins Gedächtnis ein. „Mountain Dining“ haben sie es getauft und hierbei wohl leider Zugeständnisse an die internationale Klientel gemacht. Doch bevor man Mangoldsuppe mit Graved-Lachs-Spieß, Quarkpizokel (eine Art Graubündener Spätzle) mit Pilzen und Alpkäse oder Kalbshaxe im Barolo geschmort mit Safranrisotto genießt, sollte man sich eine Hotelbroschüre schnappen, in der ein Panoramafoto der Bergwelt Namen gibt – vom Bellavista im Westen (3.386 m) bis zum Las Set Rösas im Osten (3.044 m). Oder man zieht Ewald Vlcek zu Rate. Seit 25 Jahren ist er hier oben und kennt die Berge wie seine Westentasche. Als Küchenlehrling hat er damals angefangen. Inzwischen nennt er sich bescheiden „Gastgeber“ und füllt diese Aufgabe mit Leib und Seele aus – egal ob seine Gäste um 23 Uhr mit der letzten Bahn ins Tal fahren oder sich doch zum Bleiben entschließen. Es wäre die bessere Wahl!
Info
Romantikhotel Muottas Muragl,
7503 Samedan, Schweiz,
0041/81/8428232,
www.muottasmuragl.ch





