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Der Mann mit dem Vogel

Mime, Maler, Bildhauer, Philosoph - Hans Langner alias Birdman ist ein Multitalent. Beflügelt von Vögeln als tierischen Musen, will er der Welt vor allem Schönheit schenken und seine Ideen mit anderen teilen.

 

Von A. Schmelter de Escobar

Mime, Maler, Bildhauer, Philosoph – Hans Langner alias Birdman ist ein Multitalent

Gibt man seine Adresse "Ratzenwinkl, Bad Tölz" ins Navigationssystem ein, lautet die Antwort: "Achtung, Ihr Ziel liegt an einer unbefestigten Straße." Der erste Hin­weis darauf, dass ein Besuch bei Hans Langner aus dem Rahmen fällt. Eine andere Welt eröffnet sich, wenn man sich zu Fuß seinem ländlichen Wohnsitz nähert, weil man direkt davor nicht parken kann: Auf der Wiese stehen silhouettenartige Kuh-Skulpturen, die bald Flügel bekommen sollen. Anderswo schwirren, sitzen und nisten tausende stilisiert gemalte Vögel im großen, üppig wuchernden Garten genauso wie auf den Wänden der Schuppen und des alten Holzhauses. Eine Fortsetzung findet das Gesamtkunstwerk, das man während der Sommermonate im Rahmen regelmäßiger Führungen besichtigen kann, drinnen: Ob Flur, Küche, Ess- oder Wohnzimmer - überall drängen sich in den wie Wunderkammern wirkenden, aber doch dauerhaft be­wohn­ten Räumen Porträts gefiederter Fan­tasie­wesen neben dreidimensionalen Kreationen aus altem Holz, rostigem Metall und rauem Zement oder Buddhas und anderen Mitbringseln von Reisen nach Asien.

 

"Das alles ist nie fertig, wächst immer wei­ter", erklärt Hans Langner. So wie bei ihm selbst: Auch im Leben des 1964 in Karlsruhe Geborenen befindet sich seit Ende der 1980er- Jahre alles im Wandel. Aus Vernunftgründen absolvierte er erst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, arbeitete zwei Jahre im Textilhandel und erfüllte sich mit 26 den Traum einer Schauspielausbildung. Für ihn ein Neubeginn, der ihm das Gefühl gab, sich und seinem Innersten "zum ersten Mal treu zu sein". Parallel zur Bühnenarbeit begann er zu malen und Objekte zu kreieren, zog nach Hongkong, unterrichtete dort Kinder und zeigte Performances vor allem mit Befreiungen aus Käfigen und Federkostümen, die ihm den Namen "Birdman" einbrachten. Doch erst durch die Frage eines Chinesen "Du bist der Birdman und du malst keine Vögel?" inspiriert, baute er dieses Motiv ab 1997 zum Zentrum seines Schaffens aus.

Himmel und Erde

Fotos: Birdman/Judith Haeusler

Seither sind Vögel als Symbol der Freiheit, das zwischen Himmel und Erde schwebt, aus der Arbeit von Hans Langner nicht mehr wegzudenken. Und das ununterbrochen, aber "ganz ohne Routine", weil die Grundform dank wechselnder Materialien, Farben und Varianten immer wieder neu definiert wird. Mit wenigen schnellen, immer reduzierteren Strichen bannt er sie auf Leinwand und Papier genauso wie auf von ihm geliebte "gelebte" Untergründe wie verwitterte Bretter, Bodenplatten oder Heuballen. Und er lässt damit Buttons, Postkarten, T-Shirts, Taschen und Geschirr bedrucken, oder er verwandelt bei Ins­tant-Art-Aktionen ausrangierte Gebrauchsgegenstände in bunte Vögel. Und nicht zuletzt hat er ihnen gerade sogar ein Buch gewidmet, das unter dem Motto "Leicht wie ein Vogel" zehn Regeln "für ein einfaches und glückliches Leben" zusammenfasst. Denn während Birdman im Laufe der letzten 20 Jahre den Künstler in sich "entdeckt und zugelassen" hat, entwickelte sich gleichzeitig seine philosophisch-spirituelle Seite. Resultat dieses doppelten Selbsterfahrungsprozesses, den wiederholte Reisen zu einem indischen Lehrer intensivierten, sind Maxime wie Hingabe, Achtsamkeit, Vertrau­en, Geduld und Bescheidenheit, die das sym­pa­thische Multitalent selbst spürbar lebt und aussstrahlt, aber auch an andere weitergeben möchte - mit seiner Buch-Premiere und neuerdings auch in Manager- und sogenannten Enlightment-Kursen, die er anbieten will.

Alles ist möglich

Strategisch geplant ist die Ausweitung seiner Arbeitsbereiche nicht und soll es auch nicht sein. "Ich halte prinzipiell alles für möglich und lasse die Dinge geschehen", so Hans Langner, der berufliche Erfüllung immer dann empfindet, "wenn mir das, was ich tue, Spaß macht und ich dadurch Schönheit in die Welt bringe". An einem ganz normalen Birdman-Tag kann das mit dem Gießen der Blumen rund um sein Haus beginnen, die er mit Begeisterung und unübersehbar grünem Daumen pflegt, sich in der Kooperation mit Kindern fortsetzen, deren Kreativität und Fantasie er besonders gerne fördert, und in einem Auftritt in extravaganten, selbst entworfenen Kostümen gipfeln, die Hans Langner meist bei den Vernissagen seiner Ausstellungen trägt. Antrieb ist dabei der Wunsch, seine Kreativität mit anderen zu teilen - für Birdman eine der "größten Kostbarkeiten" auf dieser Welt. Weitere Infos auf www.birdtoelz.de

In diesem Artikel
  1. Der Mann mit dem Vogel

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