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Ein Ausflug in die Gastronomie?

Die Firmenzentrale: Das Gebäude aus Sichtbeton und Glas erinnert mehr an ein Museum als an eine Verwaltung mit Werkstatt

Die Suche nach neuen Herausforderungen - Oliver Holy scheint sie anzutreiben. Wie ein innerer Motor. Auch privat. Oliver Holy sitzt aufgrund eines Skiunfalls seit seinem achten Lebensjahr im Rollstuhl, doch der Rausch der Geschwindigkeit hat ihn nie losgelassen. Im Sommer fährt er Rad, im Winter Ski. Beides mit Spezialanfertigungen. Und beides nicht gemütlich, sondern sportlich und schnell. Und dabei ist Holy auch ein Genussmensch, der nicht nur Kunst und Design, sondern auch gutes Essen liebt, selbst sehr gerne kocht und Freunde bewirtet. Aus diesen Leidenschaften entstand ein Plan für die Zukunft: "Mit 40 werde ich ein Hotel oder Restaurant eröffnen, in dem Design, Architektur und gutes Essen perfekt ineinanderspielen." Wie das aussehen soll? "Da warte ich noch auf die passende Inspiration", lacht Oliver Holy verschmitzt. "Ich habe ja noch drei Jahre Zeit!"

Gegen die vielen Plagiate hilft nur Aufklärung

Kleiderständer „Saturn“ von E. Barber & J. Osgerby (2007) (Bild: classicon)

Lediglich 15 Mitarbeiter arbeiten heute in der GmbH. Die meisten sitzen mit Oliver Holy auf einer Ebene im ersten Stock des ClassiCon-Firmensitzes, eines spektakulären Baus aus Glas und Beton, der in der Gewerbesteppe von München-Riem ein wenig wie eine Fata Morgana wirkt. Oder wie ein modernes Museum, das am falschen Ort errichtet wurde. Über den Umsatz schweigt sich Oliver Holy aus. Doch der Geschäftsführer scheint in den letzten zehn Jahren viel richtig gemacht zu haben. Das Portfolio wurde ausgewogen erweitert - die Klassiker genauso wie die Contemporary-Linie.

 

Jüngst gelang mit dem "Munich Lounge Chair" ein neuer Coup: Die Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton hatten den eleganten Sessel 2009 eigens für das Museum Brandhorst entwickelt. Die allgemeine Nachfrage steigt und steigt, und ClassiCon produziert in Serie. "Wir sind von dem Erfolg selbst ein wenig überrascht", so Holy. Unbestrittener Bestseller ist jedoch nach wie vor der "Adjustable Table" von Eileen Gray. Zum großen Leidwesen von Oliver Holy ist die Designikone aber auch eines der am meisten kopierten Möbelstücke der Branche. Im Internet findet man nicht nur das Original von ClassiCon, das rund 700 Euro kostet, sondern auch viele Kopien, die es schon ab 140 Euro gibt. "Dagegen können wir im Grunde genommen nur wenig tun", weiß Oliver Holy. "Wir beschäftigen zwar zwei Anwälte, die beinahe rund um die Uhr für uns tätig sind. Doch die Urhebergesetze sind in jedem Land anders, was es sehr kompliziert macht." Letztendlich helfe es nur, dem Kunden den Unterschied zwischen Original und Plagiat zu erklären. Und das sei in erster Linie "ein riesengroßer Qualitätsunterschied". "Um beim ,Adjustable Table' zu bleiben: Das Original ist nicht nur sehr stabil, die Chromarbeiten sind auch sehr aufwendig. Wenn man einmal sieht, wie lange an einem einzigen Tisch geschliffen und poliert wird, dann versteht man, dass Qualität ihren Preis haben muss.

Firmenchef mit 26 – das gab Branchentalk

1999 kaufte der Vater sich bei ClassiCon ein, ein Unternehmen, das sein Freund Stephan Fischer von Portuzyn 1990 gegründet hatte. Als ehemaliges Vorstandsmitglied der legendären Vereinigten Werkstätten in München hatte sich Fischer von Portuzyn Zugang zu den wertvollen Lizenzen für die Möbelklassiker gesichert, darunter die Entwürfe von Eileen Gray. Zugleich holte er vielversprechende zeitgenössische Designer ins Unternehmen, wie den damals jungen Konstantin Grcic. Als Vater Holy dem Sohn die Geschäftsführung von ClassiCon anbot, zögerte dieser kei­ne Sekunde und brach das Studium ab. Kurz vor dem ersten Staatsexamen. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. Der vermögende Vater, der dem gerade mal 26-jährigen Sohn ein Unternehmen kauft - das sorgte für reichlich Gesprächsstoff in der Möbelbranche. Doch Oliver Holy lag nichts ferner, als sich ins gemachte Nest zu setzen. Er verordnete sich selbst eine vierjährige Lehrzeit, in der er alle Stationen des Unternehmens durchlief. Der junge Firmenchef arbeitete in der Technik, in der Buchhaltung, in der Werkstatt und im Lager. "Ich wollte alle Abläufe bis ins Detail verstehen." Im Lager beginnt Oliver Holy noch heute seinen Arbeitstag. "Will man wissen, wie es einer Firma geht, erfährt man es hier. Gibt es Reklamationen? Muss ein Artikel nachbestellt werden?"

Zurück zu „Made in Germany“

Um den hohen Qualitätsstandard zu erfüllen, arbeitet Holy nur mit erstklassigen Schreinern, Lackierern oder Stahlarbeitern zusammen. "Früher hatten wir viele Zulieferer in Italien, heute immer mehr in Deutschland." Der Grund: "Es gibt bei uns eine ganze Menge kleiner, fantastischer Familienunternehmen, in denen das Fertigungs-Know-how und der Qualitätsanspruch von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zudem erleichtern kurze Wege und dieselbe Sprache sehr viel." Dennoch ist das Unternehmen international aufgestellt, hat Showrooms in Toronto, Sydney, Seoul und Tokio. "In Zukunft wird für uns vor allem der asiatische Markt interessant sein", berichtet der Geschäftsmann, der diesen Herbst auch auf Designmessen in Hongkong und Schanghai mit seiner Kollektion vertreten sein wird. "Aber auch in Australien und in Südamerika ist noch viel Potenzial vorhanden. Man muss sehen, dass man hier von Anfang an dabei ist."

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