Oliver Holy oder die Vision vom zeitlosen Design
Seiner Familie gehörte das Boss- Imperium, doch seine Leidenschaft der Kunst. So ging Oliver Holy eigene Wege - mit der Design-Schmiede ClassiCon, die er mit Leidenschaft und Kreativität und Klassikern von heute und morgen zum Welterfolg machte.

- Oliver Holy
Zeit ist ein wesentliches Element seiner Arbeit - und so nimmt er sie sich einfach, weit entfernt von der Unrast so manches Jungunternehmers. Oliver Holy, 37 Jahre, ruht in sich. Vielleicht weil er weiß, dass die Zeit für ihn arbeitet? Dass es eben gerade Zeit braucht, um etwas Zeitloses zu erschaffen? Es ist die Faszination für Klassiker, die Oliver Holy antreibt, seine Leidenschaft für perfektes Design und für seine Firma, eines der exklusivsten Möbelunternehmen Deutschlands.
ClassiCon produziert Editionen zeitlos schöner Möbel wie von Otto Blümel oder Eileen Gray, für die das Unternehmen einziger weltweiter Lizenznehmer ist und die - obwohl bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts erdacht - heute moderner wirken denn je. Neben diesen Klassikern hat ClassiCon aber auch zeitgenössische Entwürfe von Designern wie Konstantin Grcic, Christoph Böninger oder der Gruppe ForUse im Programm. Neuschöpfungen, die den Anspruch haben, die Qualität der Klassiker zu erreichen. Gewissermaßen eines Tages zu den Stilikonen des 21. Jahrhunderts erkoren zu werden.
Begeisterung auf den dritten Blick
Wie findet man neue Designer, die diesen hohen Qualitätsanspruch erfüllen? "Das subjektive Empfinden spielt eine große Rolle", gesteht Oliver Holy. "Ich erkenne Qualität mit dem Auge, aber auch mit dem Bauch. Wichtig ist: Es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Eher eine Begeisterung auf den dritten Blick.

- Der „Munich Lounge Chair“ (2009) von Sauerbruch und Hutton (Bild: classicon)
Der erste Blick sucht meist das Bekannte, Gewohnte, Schon-mal-Gesehene. Aber wenn man mit einer Firma Design mit Potenzial zum Klassiker entwickeln will, dann muss man am noch Ungesehenen arbeiten, an Formen, die kommen werden und bleiben." Formen, wie man sie an den Möbeln von Konstantin Grcic findet. Der Münchner Designer liegt Oliver Holy besonders am Herzen. "Grcics Entwürfe sind modern, gewagt, etwas anders - das mag ich." Wie sein Sessel "Chaos", der so ungewöhnlich ist, dass man sich fragt, wo man sich eigentlich hinsetzen soll, und der dann überraschend bequem ist. Doch wie entwickelt man solche Möbel? "Es ist meist ein sehr langwieriger Prozess von der ersten 3-D-Zeichnung, mit der ein Designer zu mir kommt, bis zum fertigen Möbel", erklärt Holy. "Doch das ist ja genau das, wovon ich immer geträumt habe. Ein kleines Unternehmen zu leiten, in dem ich Designentwürfe von Anfang an von der Herstellerseite beeinflussen kann. In dem ich die Freiheit habe, mit den Designern zusammenzuarbeiten, die mir gefallen.
Dabei hätte Oliver Holy auch eine ganz andere Karriere einschlagen können. Der gebürtige Schwabe entstammt der Hugo-Boss-Dynastie. Sein Vater Jochen Holy und dessen Bruder Uwe haben die Marke weltbekannt gemacht, 1989 verkauft und leiten heute die Firmen Windsor und Strellson. Doch die Modebranche hat Oliver Holy beruflich nicht interessiert, obwohl sie durch die frühe Auseinandersetzung mit Material, Qualität und Trends sein Stilempfinden prägte. "Ich begeisterte mich schon als Kind für Kunst, Design und Architektur. Wahrscheinlich, weil ich damit aufgewachsen bin." Nach dem Abitur liebäugelte Holy damit, Design zu studieren, entschied sich aber für Jura. "Da siegte wohl die Vernunft." Und vielleicht auch der bodenständige Schwabe in Oliver Holy.




