Abenteuer vor der Haustür: Offroad
Offroad-Fahren gilt vielen Fans als das letzte Abenteuer im Auto – spezielle Parcours und Events machen es möglich.
Von Wolfgang Hörner

- Nicht zu schnell und vor allem nicht blindlings, heißt die Devise: Wasserdurchfahrten sind tückisch und bergen die Gefahr von Schäden oder – bei unbekanntem Gewässer – des Versinkens. Foto: Landrover
So manchem Fahrer eines vermeintlichen Geländewagens dürfte es den kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben: Fahren abseits befestigter Wege, womöglich gar völlig querfeldein? Und das Allerschlimmste: im eigenen Mercedes ML, BMW X5 oder Porsche Cayenne? Tatsächlich festigen Gedankenspiele dieser Art die weitverbreitete Meinung, Fahrern von Geländewagen und SUVs (Sport Utility Vehicles) ginge es bei ihrem Auto um alles andere, nur nicht ums Fahren im Gelände.
Trotzdem gibt es eine kleine Gruppe, die genau das liebt. Naheliegend, dass solche Fahrmöglichkeiten in Deutschland nicht „in freier Natur“ zu finden sind. Zu streng sind die Bestimmungen, zu hoch die Strafen und – hoffentlich – zu schlecht das Gewissen, um einfach im Offroader querfeldein unterwegs zu sein. Was 4x4-Fahrer bedauern, ist die Existenzgrundlage für zahlreiche Betreiber entsprechender Areale.

- Toyota Land Cruise
Einfach in den Wald geht nicht
Rund 25 solcher Anlagen gibt es in Deutschland, die für jedermann zugänglich sind. Hinzu gesellen sich zahlreiche weitere Gelände, die allerdings für den Publikumsverkehr gesperrt sind. In vielen Fällen sind es ehemalige Kiesgruben oder ehemalige Militärgelände, die jetzt als Offroad-Strecken dienen.
Doch auch rund um Rennstrecken, zum Beispiel am Nürburgring, entstanden in den vergangenen Jahren entsprechende Areale. Missverständnisse, was Fahrer bei solchen Anlagen erwartet, darf es nicht geben: Selbst wenn fast immer definierte Parcours vorgegeben sind, mit entspanntem Fahren auf Feld- oder Schotterwegen sind sie nicht zu vergleichen. Tiefe Wasserdurchfahrten, steile Böschungen, scharfe Furchen, rutschige Schlammpassagen, schroffe Felsen, lose Baumstämme und vieles mehr erwartet die Fahrer.
Die oft gestellte Frage nach den Kosten hat folglich eine zweigeteilte Antwort: rund 15 bis 75 Euro für den Tageseintritt. Aber vielleicht auch einiges mehr, um im Anschluss Lack- und Karosserieschäden, demolierte Felgen oder in Mitleidenschaft gezogene Motorkomponenten wieder reparieren zu lassen. Spätestens jetzt wird klar, warum neue SUVs besser auf der Straße bleiben.
Auf die Fahrtechnik kommt es an
Doch so mancher Neuling im Gelände bekommt selbst in einem „richtigen“ Offroader angesichts der auftauchenden Hindernisse ein flaues Gefühl im Magen: Allein schon steile Auf- und Abfahrten erreichen bisweilen ein Gefälle, das auf befestigten Straßen undenkbar wäre und das Zweifel nach der Leistungsfähigkeit des Wagens aufkommen lässt. Umso verblüffender ist im Anschluss die Erkenntnis, was Geländefahrzeuge alles schaffen.
Trotzdem: Ohne Tipps und Kniffe geht es nicht. Neueinsteiger bekommen die wichtigsten davon bei Fahrbeginn mit auf die Tour. Die Regeln reichen von der richtigen Lenkradhaltung (z.B.: Die Daumen dürfen wegen der Gefahr des „Zurückschlagens“ des Steuers nie in den Speichen sein) über sinnvolle Schaltstrategien (z.B.: Im Gelände kommt die Getriebeuntersetzung zum Einsatz) bis hin zu praktischen Regeln (z.B.: Ein Hang wird nie quer befahren).
Sinnvoll ist auch, sich im Vorfeld ein bisschen mit Theorie und Technik zu beschäftigen. Begriffe wie Böschungswinkel (auch Rampenwinkel genannt), Achsverschränkung (das maximal mögliche „Verdrehen“ von Vorder- und Hinterachse) und Wattiefe (die Höhe, bis zu der Wasser gefahrlos durchfahren werden kann) gehören beim Offroad-Fahren einfach zum Alltag.
Trotzdem ist nicht immer jedes Hindernis problemlos passierbar. Für echte Freaks beginnt hier erst die wahre Herausforderung. Teils unter Zuhilfenahme eines zweiten Fahrzeugs, teils mit Spaten und Axt und teils mit Hilfskonstruktionen wird der Weg passierbar gemacht.
Mit BMW & Co. in die Wüste
Genau dieses Abenteuer ist es, das Offroad-Veranstaltern regen Zulauf bei Touren durch Südamerika oder Afrika beschert. Wer hier mitfährt, sollte allerdings über eine gewisse Mindestroutine im Geländefahren verfügen. Sie lässt sich nicht nur im eigenen Geländewagen in einem Offroad-Parcours erlernen, sondern auch über Angebote entsprechender Fahrzeughersteller: Land Rover, Mercedes-Benz, BMW und selbst Porsche bieten entsprechende Kurse für Fahren im mittelschweren Gelände. Positiver Nebeneffekt: Alles spielt sich mit gestellten und versicherten Fahrzeugen ab. Außerdem können die Teilnehmer sicher sein, dass Hindernisse tatsächlich absolvierbar sind.
Wem die ein- bis zweitägigen Events in Deutschland eine Spur zu langweilig sind, kann auch auf Expeditionen gehen. Während die „Namibia Multiday Tour“ von BMW noch ein Mindestmaß an Komfort bietet, sind Touren mit Land Rover nach Argentinien, Kanada oder Botsuana eine Spur anstrengender – kein Wunder, gilt doch der Land Rover Defender selbst schon als kerniger Typ, der kaum vor etwas zurückschreckt.
Info
BMW „Tour Experience“:
Tages-Events bei München, Tour durch Namibia,
www.bmw.de
Land Rover „Land Rover Experience“:
Tages-Events bei Wülfrath, zahlreiche internationale Touren,
www.landrover-experience.de
Mercedes-Benz „Offroad-Trainings und -Reisen“:
Tages-Events in Deutschland, zahlreiche internationale Touren,
www.mercedes-benz.de
Porsche „Trainings-Level Offroad“:
Tages-Event in Leipzig,
www.porsche.com





