Hongkong: die grüne Metropole
Vogelzwitschern, unberührte Strände, einsame Wanderwege und dichtes Subtropen-Gestrüpp – das soll Hongkong sein? Auch erfahrene Asien-Reisende fallen immer wieder auf das Klischee des Großstadt-Molochs herein.
Text: Françoise Hauser

- Hongkong – Ruhepole liegen nur wenige Taxi-Minuten entfernt.
Doch die Hochhaus-Schluchten von Kowloon oder Central sind nur eine Seite der Medaille: Kaum eine asiatische Großstadt ist so entspannend wie Hongkong – und macht so wenig Aufhebens darum. Zwischen Großstadthektik und Vogelzwitschern vor Ozeanbrandung liegt meist nur eine 20-minütige Taxifahrt in einen der vielen Nationalparks. Von den rund 1.100 Quadratkilometern Stadtfläche sind immerhin zwei Drittel Grünflächen, von denen fast die Hälfte unter Naturschutz steht. Dies so konsequent, dass die Behörden immer wieder Wanderer per Hubschrauber retten lassen müssen – mitten in Hongkong!

- Bilder: istockphoto/Getty Images
Weniger schweißtreibend und trotzdem erholsam zeigt sich Hongkongs grüne Seite auf den mehr als 260 Inseln und Inselchen, von denen viele auch am Wochenende nahezu unberührt bleiben. Vielleicht auch, weil sich den Bewohnern rund ums Jahr genügend Ablenkung bietet. Hongkong ist immerhin ein wahres Museum an chinesischer Kultur. Weniger des Alters wegen als der schlichten Politik: Hier tilgte keine Kulturrevolution die alten Traditionen, und so werden in den Tempeln von Hongkong noch immer traditionelle Feste gefeiert und Götter verehrt, die auf dem Festland fast in Vergessenheit gerieten. Besonders gut lässt sich dies im daoistischen Manmo-Tempel an der Hollywood Road beobachten: Der Kriegsgott Mo gilt nicht nur als Beschützer der Kriminellen, sondern ist auch der Schutzpatron der Polizei. Da kann es passieren, dass Uniformierte und Mafiosi Seite an Seite Räucherstäbchen opfern und um Beistand bitten. Dies vor dem Hintergrund der umliegenden Wolkenkratzer – typischer für Hongkong geht es nicht.





