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Bangalore und Kalkutta: Süße Verführung


Skizzen zweier Städte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: die Gartenstadt Bangalore, früher „Silk“-, heute „Silicon-City“, und Kalkutta mit seinem Blumenmarkt am Hugli. Momentaufnahmen, Fragmente. Schrill. Fremd. Betörend. Was beide verbindet: die märchenhafte Gastlichkeit der Oberoi-Hotels. Koloniale Tradition und perfekter Service auf absolut höchstem Niveau.

 

Text: Brigitte Giesler, Fotos: Gerd Giesler

 

Exotisches Fenster zu Gartenstadt Bangalore: Die Lobby im Oberoi wirkt wie eine Filmkulisse.

Indien 1933. In den Straßen Kalkuttas wütet die Cholera. Das berühmte und vornehme Grandhotel muss schließen. Der 35-jährige Mohan Singh Oberoi, ein unbedeutender Jungunternehmer, erkennt seine Chance. Gegen den Rat der Familie pachtet er die Traditionsherberge zum Schnäppchenpreis und legt damit den Grundstein für ein weltweites Hotelimperium, das bis heute für höchste gelebte Gastlichkeit steht.

 

Durch niedrige Türen und klaustrophobisch-dunkle Gänge, immer dem Rattern nach, erreicht man die Seidenweberei von Govind. An altertümlichen Webstühlen reihen sich goldene Seidenfäden zu Mustern, wie wir sie später an den Saris der eleganten Frauen in Bangalores Geschäftsstraßen wiederfinden werden. Der alte Weber zeigt uns mit flinken Fingern seine Kunst. Schon sein Vater hat hier gearbeitet, als Bangalore, Hauptstadt Karnatakas, noch berühmt war für Sandelholz und Seide. Mahatma Gandhi erklärte damals den Webstuhl zu Indiens Schicksal und rief seine Landsleute zum Boykott des englischen Tuchs in der Kronkolonie auf.

 

Bangalore ist Boomtown. Indiens fünftgrößte Stadt mit acht Millionen Einwohnern, 350 Kilometer zur Ost- wie zur Westküste, ist gesegnet mit mildem Klima. Hightech hat heute die Seide abgelöst, 13.000 Callcenter, Deutschland ist nach den USA größter Handelspartner. Diesige Luft, verwaschene Farben. Die Metro eine Baustelle, Autos, Motorräder und Tuk-Tuks kämpfen sich stoisch voran. Hinten auf einem Motorradsitz eine Hindu, Jasminblüte im seidig geflochtenen Haar, rotes Bindi, Zehenring – Zeichen der verheirateten Frau.

 

Oase in der City - das Hotel Oberoi 

Das Tosen wird zum Rauschen, vermischt mit Krähengeschrei. Wir gleiten in eine andere Wirklichkeit. Jasminduft betört, Bellboys verbeugen sich. Von jetzt an wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Herzstück des Luxushotels ist der 160 Jahre alte Goldrain-Tree mitten im tropischen Garten mit Pool, Wasserfall und Felsen. Oberoi ließ das Hotel quasi um den Baum herum- bauen. Egal ob Dinner im „Szechwan Court“, wo der Pekinger Koch notabene seine Pekingente gekonnt filetiert, oder Frühstück im „Le Jardin“ von gedämpften, weißen Tischdecken, elfenbeinernem Porzellan und einem Buffet mit 20 silbernen Clochen, man spürt die große Hotelierskunst und Herzlichkeit, die hier jedem einzelnen Gast zuteil wird.

 

Draußen in der seidig-milden Luft Bangalores wartet bereits der weiß livrierte Chauffeur Karna auf uns. Zum Bull-Tempel in der Altstadt kommen die gläubigen Hindus, um von Mönchen mit heiligem Wasser gesegnet zu werden. Für niedere Kasten war das Allerheiligste früher tabu. Davon zeugt noch das kleine Guckloch an der Hintertüre. Karna stammt aus der Kaste der Dienstleister, wie seine Frau. Auf dem Land bringt eine Heirat in die falsche Kaste immer noch Fehde und manchmal Verderben über die Familienclans. Das moderne Indien hat 1.000 Gesichter. Am Russel-Markt, nahe der Kirche Saint Mary, steht sie dann: unbewegt und gelassen mitten im Verkehr – das Klischee der Klischees, die heilige indische Kuh. Sie zu tätscheln bringt Glück. Viele Passanten tun es. 

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