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Fly-In-Safari in Botsuana


Mit dem Buschpiloten zu den schönsten Camps Botsuanas fliegen - ein Luxus, der im Trend liegt. In entlegene Gebiete, die mit dem Auto kaum zu erreichen sind, und tief in die je­weiligen Strukturen eintauchen: Chobe-Nationalpark, Linyanti-Reservat oder Okavango-Delta.

  

Von Brigitte Giesler und Gerd Giesler (Fotos)

  

Elefanten am Wassertümpel. Tief stehende Sonne in der Wildnis Botsuanas.

Hüpfend setzt die Cessna Caravan auf der Graspiste auf. Willkommen im afrikanischen Busch! Unser Empfangskomitee am Rand des Saile Airstrip  am Linyanti-Fluss besteht aus einer Zebraherde und unserem Guide Esse samt Jeep. Weil der Staub auf der Landebahn sich nicht legen will, bricht er mit dem Hinweis „I abhor dust“ fast fluchtartig zum 60 Minuten entfernten Ebony Camp auf. Die 1.900 Quadratkilometer gro­ße Flusslandschaft ist eine Miniaturausgabe des Okavango-Deltas. 

    

Acht Luxuszelte auf Stelzen unter riesigen Mopane-Bäumen am Ufer des Linyanti mit Blick auf das Marschland und den angrenzenden namibischen Caprivi-Streifen sind unser erstes Domizil. Sehr exklusiv, sehr intim und individuell. Jede Einheit verfügt über ein kleines Pooldeck. „Schöner wohnen“ im Busch: liebevoll dekorierte Betten, nostalgische Badewannen, teilweise unter freiem Him mel. Im Zentrum des Camps ein mit Canvas überdachter Lounge- und Essbereich. Ein überwältigendes „Jenseits von Afrika-Gefühl“ erfüllt uns, als beim Nachmittagstee zwei Dickhäuter urplötzlich durchs Camp ziehen. 

  

Es ist, als hätten wir durch ein Zeitfenster das alte, längst vergangene Afrika betreten – der strenge Geruch der wilden Elefanten, der Staub der Sandpiste auf der Zunge, die ebenholzfarbenen Gesichter mit Wimpern aus Anthrazit. Für zwei Tage sind wir nun wie zu sammengeschweißt: Guide Esse, Koch Mighty sowie Hilda und Chombe, die guten Geister des Camps. Bilder aus verblichenen Zelluloidstreifen tauchen vor unserem inneren Auge  auf. Ehe wir uns versehen, ist daraus Wirklichkeit geworden. Es war einmal in Afrika …  

  

Cocktailstunde mit Gin und Elefantenherde

Auf der Spur der Raubkatzen. Nach dem Festmahl liegen die Löwen faul im Schatten

6.30 Uhr morgens. Die Kühle der Nacht liegt noch über dem Busch. Esse nimmt die Spur eines Löwenrudels auf. Jede Pirschfahrt ist ein Aufbruch ins Ungewisse: Impalas, Kudus, eine in Panik geratene Wasserbüffelherde. Die Spuren der Löwen verlieren sich immer wieder im Sand. Zwei Stunden später ist es endlich so weit. Wir erleben das Rudel hautnah. Die Tiere liegen im Schutz des Steppengrases, nagen an den Resten der nächtlichen Beute, den Rippen eines Wasserbüffels, hechelnd, verdauend. Das mächtige Alpha-Tier wacht über den Clan. Jagen dagegen ist Sache der Löwinnen. 

  

Die Tage in Botsuana sind ebenso intensiv wie kurz. Gegen fünf Uhr versinkt die Sonne blutrot wie Campari-Orange im Schilf. Esse eröffnet die Cocktailstunde mit Gin und Tonic auf der Motorhaube. Eine Elefantenherde, wie schwarze Scherenschnitte, trottet durch das seichte Wasser. Safari, dieses sanfte Schaukeln im sicheren Jeep, ist besser als Wellness und birgt ein beträchtliches Suchtpotenzial.   

  

Allabendlich dann Busch-TV am nächtlichen Lagerfeuer: ein Kanal und unzählige Storys. Unter Afrikas Sternenzelt lauschen wir den Geschichten unserer Gastgeber. Sie drehen sich alle um die Tiere und den unendlichen Busch. Hektik, Großstadtlärm und Facebook kennen sie alle. Umso bewusster fällt ihre Entscheidung aus – für die Wildnis.

  

Safari-Bootstour auf dem Chobe River. Ein Paradies für Vogelbeobachter. Elefanten, Nilpferde und Krokodile gibt es hautnah zu erleben.

Eine Zeltwand von der Wildnis getrennt

Die Nacht hat tausend Ohren und Augen. Das angsteinflößende lachende Röhren der Flusspferde zerreißt die Stille, begleitet vom hysterischen Kreischen der Paviane und Brüllen der Löwen. Keine Abzäunung trennt uns von der Tierwelt. Heute steht die Rückfahrt mit Esse zum Airstrip an. Er nimmt einen Umweg über die Löwenfamilie. Unsere Stimmung schwankt zwischen Wehmut und Aufbruch. Bei unserem Abflug hat sich der Staub nicht gelegt, trotzdem steht er winkend in der Ferne. 

  

Zeit für eine Rückblende. Unglaublich, wie uns die Fly-in-Safari nach Linyanti Botsuana näher gebracht hat. Noch vor drei Tagen starteten wir in der Chobe Safari Lodge im gesichtslosen Kasane. Was das Tiererlebnis betrifft, eigentlich ein idealer Einstieg für Bot suana – vor allem wenn man von den Vic toriafällen kommt … Andererseits aber auch ein Auffanglager für Bustouristen en masse. Der Zauber Afrikas bleibt auf der Strecke, wenn selbst größte Gruppen in Jeeps und Booten durch den wenige Minuten entfernten Chobe-Nationalpark geschleust werden, immerhin die Heimat der größten Elefantenherden der Welt.

  

Kontrastprogramm. Eine fliegende Seifenkiste bringt uns 40 Minuten tiefer in den Busch, ins Herz des Okavango-Deltas. Landung auf dem Kwara Airstrip. 500 Meter Graspiste, zwei Löscheimer voll Sand, eine Holzbank mit einem handbemalten Schild „Guest Lounge“. Dahinter unser Guide Master mit forschem Lederhut, und Spurensucher Mopane. Sein Büro ist der Stuhl auf der Kühlerhaube des Jeeps. Die Qualität der Safaris ist hier eine andere, denn im größten Binnen delta der Welt fahren die Jeeps durch überflutete Grasflächen, die Flüssen gleichen. Die Reifen scheinen monstergleich, das Dach fehlt, und der Auspuff ragt nach oben. 

 

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