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Wilde Moore, weite Blicke - Eine Entdeckungsreise durch den Südwesten Irlands

Gewaltigen Klippen bei Portmaggee

Irland ist wahrhaft besonders: anfangs bettelarm, dann Musterknabe der Europäischen Union, später erstes hoch ­ver­schuldetes Land der Gemeinschaft, nun wieder auf dem Weg zum Musterknaben. Aber das ist ja nur der politisch-wirtschaftliche Aspekt. Für den Irlandliebhaber steht etwas gänzlich anderes im Vordergrund: die Landschaft und ihre Bewohner. Und da hat sich nichts geändert - beide sind unvergleichlich und in Europa eine Besonderheit.

 

von Hans Christian Meiser (Text) und Gerd Giesler (Fotos)

 

Der Südwesten Irlands mit seinen drei Halb­inseln Dingle, Iveragh und Beara gehört zu ebendiesen Besonderheiten. Ein Besuch dieser wunderschönen Region beginnt im charmanten, irisch-bunten Cork, nach Dublin der zweitgrößten Stadt der Republik, die von München aus sogar im Direktflug zu erreichen ist. Nach einer eineinhalbstündigen Autofahrt Richtung Westen durch eine magisch-grüne, mit sanften Hügeln verzierte Landschaft erreicht man Killarney am Fuße von Irlands höchstem Gebirgszug. Hier liegt auch der Lough Leane, ein wildromantischer See, der fast wie ein Fjord wirkt und auch ei­nem Harry-Potter-Film als Kulisse hätte dienen können. Just hier hat der Unternehmer Dr. Hans Liebherr (1915-1993), dessen Namen man hauptsächlich von Baukränen, Baggern und Kühlschränken kennt, 1961 seinen Traum verwirklicht und ein Hotel der Extraklasse ge­baut, dem er vorausschauend den Namen The Europe gab. Mittlerweile ist das Haus immer wieder auf den neuesten Stand gebracht worden und präsentiert sich heute als eines der edelsten Resorts Irlands mit einem vorzüglichen Restaurant und einem grandiosen State- of-the-art-Spa. Nach einer Massage (sehr zu empfehlen: Hot Stone) fühlt man sich im Re­lax­room fast wie in der First Class des A 380. Doch egal, wo man sich gerade aufhält, es dominiert der Blick auf den See, die dahinterliegenden Berge und die über deren Rücken ziehenden Wolken - und genau das ist es, was einem schon nach wenigen Stunden das Gefühl von Erholung schenkt.

 

Die zweite Entscheidung, hier zu logieren, liegt am Killarney Golf & Fishing Club, dessen Gelände direkt an das des Hotels grenzt. Die drei 18-Loch-Golfplätze, bei denen man die Naturgewalten unbedingt in sein Spiel einbe­ziehen muss, bringen auch das Herz von Nicht­golfern zum Entzücken, und das Loch 18 des Mahonys Point Course ist (angeblich) das meistfotografierte Loch der Welt! Wenn man es spielt bzw. sieht, versteht man, weshalb ... An einem weiteren magischen Platz des Lough Leane findet sich das Lake Hotel, das zwar nicht über den Schick des Europe verfügt, aber dafür über mehr Historie, steht es hier doch schon seit 1820. Auch dieses Haus befindet sich in Familienbesitz und wird auch gerne von Familien gebucht, die sich vor allem im Restaurant an der dort herrschenden Pub­atmosphäre erfreuen.

 

Die Halbinsel Dingle und Delfin Fungie

Delfin Fungie ist eine Berühmtheit in der Dingle Bay. Mutige gehen sogar mit ihm schwimmen.

Beide Hotels sind ideale Ausgangspunkte für Erkundungsfahrten über die drei Halb­inseln. Beginnen wir mit der romantischsten, der Dingle Peninsula. Am schönsten ist die Küsten­straße von Castlemaine nach Dingle. Hier beginnt man zu verstehen, was das Leben am Wasser so reizvoll macht und weshalb der Mensch sich überall auf der Welt danach sehnt. Und hier bekommt er in Reinkultur geboten, was sein Verlangen ist. Und in Dingle selbst erwartet ihn eine besondere Überraschung: Fungie, der wild lebende Flaschenhalsdelfin, der vor 25 Jahren in die Bucht kam und die Gesellschaft von Menschen schätzt. Wer mutig genug ist, kann sogar mit ihm schwimmen. Kleine Ausflugsboote fahren am Morgen hinaus und ermöglichen ihren Gästen ein Erlebnis, das sie gewiss nicht mehr vergessen werden; denn Fungie ist nicht nur ein Star, mit dem schon Pierce Brosnan schwamm, sondern auch ein Symbol für die Einheit alles Lebenden. Im Half Door Restaurant kann man dann die Ereignisse Revue passieren lassen. Kaum ein Lokal in der Gegend, das so maritim-urig-irisch eingerichtet ist. Man passt kaum durch die Türe, auch innen geht es eher eng zu, doch was die Küche bietet, ist vom Allerfeinsten, was das Meer offeriert: Hummer, Langusten, Mönchsfisch, Muscheln – alles garantiert aus der atlantischen Umgebung. Und das schmeckt man auch!

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