Frauenpower in Umbrien: Le Donne del Vino
Geballte Frauen-Power! Anders kann man das nicht nennen, was Signora Lungarotti, studierte Kunsthistorikerin, und ihre beiden Töchter, graduiert in Önologie bzw. Agronomie, im mittelalterlichen Städtchen Torgiano nicht nur an Kunst, sondern in den umliegenden Weinbergen an Ökosystemen und Nachhaltigkeit aufgestockt haben. Kompliment!
von Helga Baumgärtel

- Bild: Stefania Georgi
"Mamma“, sagt Teresa, die Ältere, und lächelt liebevoll die weißhaarige Signora an, „ohne dich hätten wir vielleicht hervorragende Weine gemacht. Aber dass Torgiano eine Kunst- und Museumshochburg geworden ist, das haben wir dir zu verdanken.“ „Bis zum heutigen Tag“, sagt Chiara, die Jüngere, „inspirierst du immer noch unsere Arbeit – bis zu den Etiketten.“

- Teresa Severini (l.) und Chiara Lungarotti
Es war Anfang der 1980er-Jahre, als ich dem Cavaliere Giorgio Lungarotti zum ersten Mal begegnete. Eine Persönlichkeit, charmant und flamboyant, beseelt davon, seine umbrische Heimat auf den internationalen Weinatlas zu bringen. Seine Innovationen sind Legende geworden. Aber man muss natürlich auch das Glück haben, eine Frau zu finden, die den künstlerischen Teil assembliert durch ein Weinmuseum mit Objekten, die bis zu den Etruskern zurückreichen, und mit einem Öl-Museum, gespeist aus dem zweiten Gold Umbriens, den Olivenbäumen. Und noch ein spätes Glück für den Cavaliere war, sein Töchterchen Chiara zu bekommen, das schon als Kind auf den Traktoren herumturnte und vom Vater „die Amore für unser Land bekommen hat und die Neugier und die Experimentierfreudigkeit“.
Als Giorgio Lungarotti 1999 starb, waren sein Haus und sein Hof bestens bestellt. Inklusive des neuen Weinguts Montefalco im historischen Italozentrum der Falkenjagd. Das Imperium Lungarotti besteht heute aus dem 5-Sterne-Hotel Le Tre Vaselle plus einem Feinschmecker-Restaurant mit Küchenchef Domenico d’Imperio an der Spitze, der natürlich zu dieser Jahreszeit Sommertrüffeln aus Norcia satt über seine köstlichen Pasta-Gerichte hobelt. Und im neuen Regenerations-Spa kann man eine Vinotherapie buchen mit Peeling und Massage aus Traubenkernen und einem Rotweinbad, in das eine Doppelmagnum Sangiovese fließt! Na ja, ein Gläschen zum Trinken gibt’s trotzdem noch dazu. Phenole innerlich, Phenole äußerlich – gesünder und gemütlicher geht’s nicht.
Olivenöl und Wein

- Chiara Lungarottis Lieblinge aus der Weindynastie Lungarotti. Weißwein, Rotweine und das Olivenöl gibt es für Diners Club Leserinnen und Leser zum Sonderpreis. (Bild: Achmann)
Am Morgen rumpeln wir mit Chiaras Geländewagen durch die Weinberge. „Seit Anfang der 60er-Jahre hat mein Vater die Olivenöl-Qualität vorangetrieben“, sagt Chiara und deutet über das silbrig schimmernde Meer von 2.000 Olivenbäumen bis zum Horizont. „Und dahinter liegt Montefalco, das jüngste Weingut in unserem Portfolio.“ Also fangen wir gleich mit dem Besten von beiden an und lassen Chiara von Öl und Wein erzählen!
Chiara: „Das Olio Extravergine di Oliva DOP stammt aus drei Olivensorten, die handverlesen sind, ab der zweiten Oktoberhälfte gepflückt und in unserer eigenen technisch hoch qualifizierten Ölmühle gepresst werden. Und was gibt es Schöneres zum Auftakt eines Menüs als ein Stück Brot mit einigen Tropfen unseres umbrischen Nektars?“
„Vom Sagrantino aus unserem neuen Weingut Montefalco haben wir den ersten Jahrgang 2005 geerntet. Auch der Nachfolger, der Sagrantino 2007, aus der gleichnamigen Traube ist üppig, fruchtig, pflaumig und voll der ,gesunden‘ Polyphenole. Und jetzt, im Herbst, wenn das Weinlaub malerisch in Rostrot am Horizont steht, müsst Ihr uns besuchen kommen und ihn probieren!“ Und weiter: „Fast eine vinologische Ikone ist unser allererster Wein aus dem Jahre 1962 mit Namen Rubesco. Weltweit sicher unser bekanntester und beliebtester Rotwein. Der Rubesco 2007 DOC, überwiegend aus Sangiovese, ist ein wunderbarer Alltagswein, fruchtig, weich und süffig. Zu Risotto, aber natürlich auch zur letzten sommerlichen Grillparty und zu Käse.
der „Mouton Rothschild Italiens“
„Zum Riserva Vigna Monticchio 2005 wird der Rubesco durch den Sangiovese aus einer Spitzenlage, den wir drei Jahre im Barrique und auf der Flasche reifen lassen. US-Weinkritiker haben ihn den ,Mouton Rothschild Italiens‘ getauft. Ein Kompliment, das wir gerne für diesen eleganten, nach Beeren und Veilchen duftenden Roten mit balsamischen Noten einheimsen.“
„Der weiße Konterpart zum Rubesco heißt Torre di Giano 2010, benannt nach einem Turm aus der Römerzeit, der Gott Janus gewidmet war. Dieser frisch-fruchtige trockene Weiße hat auch in Amerika für Furore gesorgt. Wir trinken ihn als Aperitif oder zu allen Vorspeisen oder einfach zu den letzten lauen Sommerabenden auf der Terrasse.“
Und zum Schluss noch, für die kommende Jagdzeit mit ihren Wildgerichten, hat Chiara einen San Giorgio 2004 herausgesucht: „Eine Kreation meines Vaters aus den 70ern, sozusagen als Gegenstück zu den ,Super Tuscans‘ von Antinori & Co. Cassis, Pflaumenkompott, Zimt und balsamische Noten zeichnen diesen langlebigen Roten aus. Und auf dem Etikett abgebildet: das Fest des Heiligen Georg und seines Sieges über den Drachen, das bei uns am 23. April immer noch mit Freuden-Feuern gefeiert wird.“
Info
Hotel Le Tre Vaselle
Via Garibaldi 48
Torgiano
Telefon: 0039/075/9880447,
www.3vaselle.it oder www.lungarotti.it
DCM Exklusiv-Angebot
Exklusiv für DCM-Leser gibt es das Lungarotti-Spezialpaket statt für 147,55 Euro für nur 93 Euro frei Haus bei Feinkost Spina in München, Tel. 089/3169390, a.spina(at)spina.de, www.spina.de





