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Im Land der Langsamkeit


Nur wer ein bisschen Geduld mitbringt, findet in Laos das, was kein anderes buddhistisches Land zu bieten hat: archaische Ruhe und Gelassenheit. Und wie einst Kathmandu, lockt Luang Prabang mit faszinierenden Szenen und kleinen, feinen Hotels.

 

Text: Brigitte Giesler, Bilder: Gerd Giesler

 

Safran, die Farbe der buddhistischen Mönche, ist auch in Laos allgegenwärtig –wie beim Almosengang der Mönche

Dumpfe, monotone Schläge. Weckzeit für die Mönche in den Klöstern von Luang Prabang. Die Trommeln und Gongs reißen auch uns um vier Uhr morgens aus dem Schlaf. Es ist noch dunkel, die Luft ist kühl. Hinter den Klostermauern wickeln sie sich in ihre safran­farbenen Gewänder. Eine komplizierte Prozedur, die gelernt sein will. Schnell schlüpfen auch wir in unsere Kleidung, um mit zu den ersten am Tempel zu gehören. Süchtig nach ihrem Anblick, können wir uns nicht sattsehen an ihren fließenden Bewegungen und sanften Gesten. Um sechs Uhr, nach der Zeremonie, treten die Mönchskolonnen pulkweise, wie jeden Tag, in den Morgen hinaus. Kahl geschorene Köpfe, barfuß, mit silbernen, trommelartigen Gefäßen starten sie ihren alltäglichen Almosengang, den „dag bat“.

  

Vor den Mauern des Wat Mahatat knien Gläubige am Straßenrand und versorgen die vorbeiziehenden Mönche mit Reis und anderen Gaben. Es sind immer die Gleichen, jeden Tag – der alte Witwer mit dem Jogginganzug, die gebrechliche Frau mit ihrer heranwachsenden Enkelin, nur die Schar der Touristen wechselt allmorgendlich. Die Mönche danken nicht für die Gaben. Ihre Körpersprache verrät, sie nehmen entgegen, was ihnen zusteht. In einem Land wie Laos ist der Buddhismus kein Mysterium, sondern gelebte, alltägliche Routine. Mit annähernd 40 Tempeln und Wats besitzt die alte Königsstadt Luang Prabang die wohl größte Klosterdichte der Welt. Wer hier in Buddhas Lehre geht, muss noch lange nicht der Welt den Rücken kehren. Das Leben in Safrangelb ist oft nur ein spi­ritueller Zwischenstopp für die Mönche auf Zeit. 

  

Laos im Wandel

Luang Prabang wie aus dem Bilderbuch: die Paradearchitektur swa Wat Xieng Thong Tempels

Wer heute in den Gassen der Altstadt zwischen Tempelanlagen und weiß getünchten Kolonialhäusern spaziert, fühlt sich schnell in die Zeiten der französischen Vorherrschaft des letzten Jahrhunderts zurückversetzt. Doch allmählich erwacht das ehemalige „Land der eine Million Elefanten“ aus seinem Tiefschlaf. Laos steht an der Schwelle hinüber zur Moderne, die in Gestalt von Boutiquen, Lounge-Bars und Internetcafés über Luang Prabang hereinbricht. Hier sieht man tagsüber oft die Mönche vor den Bildschirmen, wenn sie zwischen Gebeten und Gartenarbeit mit dem Handy am Ohr dem weltlichen Leben nachgehen.

 

Dennoch gehört Laos zu den unterentwickeltsten Ländern Südostasiens. Etwas kleiner als die frühere Bundesrepublik Deutschland, liegt es ohne Meerzugang in Form eines Schlüssels eingebettet zwischen China, Myanmar, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Erst 13 Jahre ist es her, dass die sozialistische Führung den sogenannten „Bam­busvorhang“ ein wenig zur Seite schob. Doch nicht die Hauptstadt Vientiane, sondern Luang Prabang ist seither zum heimlichen Tourismusmagnet des Landes avanciert.

 

Beschauliche Gartenstadt

Pool des Maison Souvannaphoum Hotel

Das entlegene Kleinod im Norden des Landes wurde 1995 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. In letzter Minute konnten so die Errichtung großer Hotelkomplexe, die den Charme der Stadt zerstört hätten, verhindert und das Vorhaben vereitelt werden, die durch die Altstadt führende Königsstraße zum Teilstück der Nationalstraße 13 auszubauen.

 

Direkt an dieser langen Straße, der geschäftigen Lebensader von Luang Prabang, liegt in einem tropischen Garten die ehemalige Residenz des Prinzen Souvannaphoum. Heute bildet sie den Rahmen für das stilvollste Hotel der beschaulichen Gartenstadt, das Maison Souvannaphoum. Gekonnt vermischen sich hier die laotische Herzlichkeit, ein sorgsam gepflegtes Kolonialflair und der professionelle Angsana-Wellness-Geist (eine Massage in der Wellness-Oase ist ein unbedingtes Muss). Eine Melange, in die man sich gerne zurückzieht. Sei es am Pool zu einem Eistee oder im Restaurant zu einem Curry mit Sticky-Reis aus den originellen Reisstroh-Körbchen. Im preisgekrönten Restaurant des Hauses L’Eléphant blanc serviert man französische und laotische Küche. Unser Lieblingskellner Phuong, in burgunderfarbener Pluderhose und weißem Hemd, erwartet uns dort zum Dinner am blütenbestreuten Tisch. Es gibt gebratenen Mekongfisch, Wasserbüffel geschnetzeltes und natürlich Salat und Sticky-Reis zum Einwickeln der Speisen. Gegessen wird mit den Händen.

  

Pagoden, Buddhas und ein Königspalast

Der 24 Meter hohe Bergtempel Wat Phousi

Während der Hauptsaison von November bis März und zum Neujahrsfest im April ist es in Luang Prabang ratsam, Hotels im Voraus zu buchen. Denn reiche Thais haben die Destination längst für sich entdeckt und fliegen teils sogar mit Privatjets ein. Gegen 18 Uhr wird es schlagartig dunkel. Wieder klingen dumpfe, monotone Trommelschläge aus den Klöstern durch die Stadt. Jetzt, in der blauen Stunde kurz nach Sonnenuntergang, erschließt sich dem Fremden die Stadt am eindrucksvollsten von oben, dort wo die Flüsse Nam Khan und Mekong zusammenfließen. Vorbei an Vogelverkäufern führen Hunderte Stufen durch dichtes Grün auf den alten Tempelberg Phou Si. Belohnt werden Wanderer mit einem Bilderbuchpanorama. 

 

Ansonsten ist man im ländlich wirkenden Städtchen Luang Prabang am besten mit dem Tuktuk unterwegs, einem dreirädrigen Vehikel. Erster Stopp: das Nationalmuseum, der ehemalige Königspalast im prunkvollen Pagodenstil. Der letzte König Laos’ musste 1975 abdanken, ohne jemals inthronisiert worden zu sein. Die Geistesgrößen der Stadt konnten für den Unglücksraben keinen astronomisch günstigen Zeitpunkt ermitteln. Die Privatgemächer des Königspaares, durch die wir barfuß auf einem warmen, glatten Holzboden wandern, sind schlicht. 

 

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