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Madeira: Verführerin im Atlantik


Eine faszinierende Verbindung aus wilder Natur und ewig blühender Gärten, geschichtsträchtiger Hotels und trendig designten Resorts macht Madeira einzigartig und den Reiz aus, die Insel immer wieder neu zu entdecken.

 

Text: Beate Schümann

 

Atemberaubend: Der Blick vom Pool des Hotels The Vine auf Funchal. Foto: The Vine

"Ist es im Januar warm?“ ließ Winston Churchill im November 1949 beim britischen Konsul auf Madeira anfragen. „Ich bin schon zwanzig Monate hier und habe nicht ein einziges Mal einen Mantel getragen“, telegrafierte der Diplomat zurück. Der britische Premier packte die Koffer und traf nach einer mehrtägigen Schiffspassage in Funchal ein. Wahrscheinlich hatte der scharfe Denker aus London seinen Trenchcoat doch im Gepäck. Er wird sich gedacht haben, dass es auf einer Insel, die so grün ist und die Namen trägt wie „Insel des ewigen Frühlings“, „Schwimmender Garten im Atlantik“ und „Blumeninsel“, zwischendurch auch mal regnen muss. 

 

Die Vulkaninsel im Atlantik kann sich in einem ganzjährig milden Klima sonnen, denn sie liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Marokko. Die sub­tropischen Verhältnisse lassen Pflanzen wie im Gewächshaus gedeihen. Kein Wunder, dass sich die Gartenleidenschaft zu einer Art Nationalfieber entwickelt hat. Allein in Funchal gibt es dreizehn öffentliche Parks, nicht einge­rech­net die vielen Privatgärten der Herrenhäuser. Zwei Drittel der Insel stehen zudem als Parque Natural da Madeira unter Natur- und Unescoschutz. Was stört es da den Blütenpilger, wenn der Himmel mal grau ist! Es ist mild wie im­mer, und Frühling gibt es auf der 742 Quadratkilometer großen Insel zu jeder Jahreszeit. 

  

Erlebnisse für Leib und Seele: Im Garten der Quinta Casa Velha do Palheiro. Foto: Casa Velha

Die Kunst des Senhor José

José Fernandes ist Gärtner und kein Mann großer Worte. Schließlich sprechen auch Blumen still. So geht er stumm die lange Kamelienallee im Palheiro Garden hinauf, wo ohnehin nur zwei Spezies stehen: Kamelien und Pappeln. Erst im „Versunkenen Garten“ und dem „Garten der Dame“ spricht er wieder, benennt alle Rosen, Arum- und Belladonnalilien, Mimosen, Magnolien, Königsproteas, Agapanthus und all die anderen, auch die exotischsten.

 

Senhor José ist ein vom Alter und Jäten gebeugter Mann. Doch in seinen Augen wohnt das Lächeln wie ein innerer Frieden. Auf Madeira liegt ihm eine Pflanzenwelt aus fünf Kon tinenten zu Füßen. Sein Glück liegt im Blütenmeer und im Triumph über Blattlausbanden, Unkrauthorden und unbeugsame Ra senränder. Seit dem 12. Lebensjahr arbeitet er im Garten der Blandys, einer alteingesessenen Weinhändlerfamilie.

 

1950 übernahm Mildred Blandy das 200 Hektar große Anwesen mit Herrenhaus, legte Themengärten an, führte Pflanzensammlungen aus aller Welt ein und schuf den wohl schönsten Landschaftspark der Insel. Was Senhor José über Botanik weiß, weiß er von ihr und seiner jetzigen Chefin Cristina Blandy, die die Quinta Casa Velha do Palheiro in ein 5-Sterne-Hotel mit Spa und Golfplatz verwandelt hat. Luxus ja, aber ohne Übertreibung – britisches Understatement eben.


Der üppige Pflanzenschatz sprießt auch dank der Levadas, jener Bewässerungskanäle, die die ganze Insel arterienartig durchziehen und Wanderer direkt ins grüne Paradies führen. Die Levada dos Tornos zum Beispiel fließt direkt durch das Choupana Hills Resort, ein Luxusdomizil aus 34 Villen mit Traumblick auf die Funchaler Bucht. Von der Architektur bis zum Mobiliar ist hier ein stimmiges Cross over gelungen: Asien im Atlantik. Die typischen Stilelemente Madeiras finden sich in den Basaltsteinen der Wege und Korbarbeiten. 

 

Sternenhimmel über funchal

Auch in Funchal sorgt irgendeine Blüte immer für die städtische Dekoration. An Fassaden, Fenstern und Mauern wuchern ständig rosaroter Hibiskus, im Frühjahr schneeweißer Jasmin, im Sommer Oleander von weiß bis pink, im Herbst sahniger Frangipani und im Winter flammenrote Kamelien. In den Parks putzen sich farbenprächtige Orchideen, Geranien, Gerbera und Gladiolen zu Prachtexemplaren heraus. Die Avenida Arriaga, der belebten Hauptschlagader, verbreiten von April bis Juni die Jacarandas violetten Glanz. 

 

Nicht weit entfernt befindet sich die neue Topadresse für Genießer: The Vine ist eine Re ferenz an den Madeirawein, ein supermodernes Design-Hotel mit loftartigen High tech-Zimmern und Pool auf dem Dach. Im Restaurant Uva zeigt 3-Sterne-Koch Antoine Westermann feinste französische Kochkunst, im Spa steht konsequent Vinotherapie zur Wahl. Madeiras ersten Stern erkochte 2008 Benoît Sinthon im gediegen-eleganten Gourmet-Restaurant Il Gallo d’Oro. Seine Küchen ideen sind italienisch-mediterran inspiriert. Der weite Meerblick gehört obligatorisch in diese Preisklasse. Etwas legerer serviert die Risottoria Riso auf Gourmetniveau diverse Risotti, portugiesische Reis-Klassiker wie Arroz de Camarão, Paella und indisches Curry – sogar mit Meeresrauschen und Sonnenuntergang; sie liegt spektakulär über dem Meer. 

 

Doch wieso den Abend loben, wenn noch der traditionelle Afternoon Tea at Reid’s Palace wartet, im Klassiker der Luxushotellerie. Zum sagenhaften Blick über das Meer lässt sich kaum irgendwo schöner britische Atmosphäre und unübertroffene Sandwichs zelebrieren. Unbedingt reservieren!

 

Info Madeira

Choupana Hills Resort & Spa,
Travessa do Largo do Choupana,
Tel. 00351/291/206020,
www.choupanahills.com

 

Quinta Casa Velha do Palheiro
São Gonçalo,
Tel. 00351/291/790350,
Palheiro Garden: Mo.–Fr. 9.30–16.30 Uhr
www.quintasdamadeira.com

 

The Vine
Rua dos Aranhas 27 A, 
Tel. 00351/291/009000, 
www.hotelthevine.com

 

Il Gallo d’Oro,
Estrada Monumental 147,
Tel. 00351/291/707700

 

Reid’s Palace,
Estrada Monumental 139,
Tel. 00351/291/717171

 

Riso,
Rua de Santa Maria 274, 
Tel. 00351/291/280360

 

TAP fliegt ab mehreren deutschen Flughäfen via Lissabon nach Funchal. Infos und Buchung unter www.flytap.com
Auskunft: www.madeiratourism.org  

 

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