Malediven: Mein Freund der Walhai
Höchstpersönlich kümmert sich der Hoteldirektor ums Wohl seiner ungewöhnlichen Nachbarn. Das FourSeasons Resort Landaa Giravaaru setzt im Baa-Atoll der Malediven wie der Präsident auf ökologische Nachhaltigkeit der Gewässer: Gäste pflanzen Korallen an, Mantas und Walhaie werden sorgsam erfasst und ihr einzigartiger Futterplatz vor Fischern und unkontrolliertem Tauchtourismus geschützt.
Text: Gerd und Brigitte Giesler

- Das Four Seasons Resort Landaa Giraavaru: Mehr als nur ein Traumhafter Pool. Foto: Four Seasons
Von Juni bis Ende Oktober kommen sie in Scharen. Sie kommen, um zu fressen. Und nirgendwo auf der Welt gibt es solche Mengen an Plankton wie in der Bucht von Hanifaru im nördlichen Baa-Atoll der Malediven, rund eine Bootsstunde vom Four Seasons Resort Landaa Giraavaru entfernt. Auch wir sind gekommen, um im warmen Wasser des Indischen Ozeans mit den friedlichen Riesen, den Walhaien und Mantarochen, zu schnorcheln und zu tauchen.
Das Wasserflugzeug entlässt uns nach 30 Flugminuten von Male in ein kleines Paradies. Die Koralleninsel Landaa misst nur drei Kilometer in der Länge, und ihre Spitze taucht mit einem sichelförmigen, puderweißen Strand in eine grüne, spiegelglatte Lagune.
Es gibt 38 Überwasser-Villen, 59 Strandvillen und fünf Zwei-Schlafzimmer-Villen. Unsere reetgedeckte Strandvilla versteckt sich in einem dichten Gürtel aus Frangipani, Palmen und Pandanussbäumen. Vor dem Bungalow im eigenen Garten liegen ein luxuriöses Pooldeck mit plätscherndem Brunnen und ein Lap-Pool, an dessen Ende türkises Meer und weißer Korallensand schimmern. Denn hinter der Hängematte und dem Tagesbett beginnt der ganz private Strandabschnitt, der zu jeder Villa gehört. Wer aber glaubt, auf Landaa fänden nur Hochzeitspaare ihr Glück, irrt sich gewaltig. Gerade kleine Gäste sind gern gesehen im Kids Club, beim ersten Schnuppertauchen mit kindgerechten Anzügen und Pressluftflaschen bis hin zur Kinderkarte im Restaurant und Liegestühlen im Kleinformat.
Aber vor allem sind es die sanften Insulaner mit ihrer dunkelbraunen Hautfarbe und ihrem wissenden, warmen Blick, die Groß und Klein sofort ins Herz schließen: Matthew, der immer für ein Schwätzchen zu haben ist, Raihul und sein großes Lächeln, mit dem er uns immer empfängt und nach Zitronengras duftende Frotteetücher als Erfrischung reicht. Dann ist da Prem, der den besten Mojito mixt, Zahir vom Wassersportzentrum, ein Mann der ersten Stunde im Landaa-Team, Rameez, der Tauchlehrer, den wir oft für uns allein hatten, und Satar, der Bootsmann, der sich in sturmgepeitschter See wie eine Statue ans Ruder krallt und unser hölzernes Dhoni wieder sicher in den Hafen steuert. Und natürlich Guy Stevens, der erfahrene britische Meeresbiologe, der seinen Gästen nicht nur zeigt, wie man aus abgebrochenen Korallenstücken wieder intakte Riffe zaubert, sondern vor allem uns entführt in die geheimnisvolle Unterwasserwelt von Hanifaru.
Ab Mai drückt der südliche Monsun gegen die Gezeiten. In diesem Sog werden Unmengen von Krill und Plankton aus den Tiefen des Meeres nach oben befördert. Die Strömung treibt den Krill in den Trichter von Hanifaru. Innerhalb weniger Stunden verwandeln die Planktonmassen das Wasser in eine trübe Suppe. Bei Einsetzen der Flut schwimmen bis zu 200 Mantas in die Bucht.

- Zyklonfressen: Bis zu 100 Mantas bilden einen rotierenden Fresskreis. Wenn die Runde jedoch aufbricht, herrscht Chaos. Foto: scubazooimages.com
Futterplatz der Mantas und Walhaie
Wir haben die Manta-Schnorchel-Safari gebucht, mit 20 Gästen nähern wir uns Hanifaru. Strahlende Sonne und tiefblaues Wasser, da entdeckt Tauchlehrerin Zoé den ersten Walhai. Majestätisch pflügt der elf Meter lange, weiß gesprenkelte Leib zentimeternah an der Oberfläche entlang.
An Bord bricht Gold-gräberstimmung aus. Im Nu sind alle im Wasser. Dann ein Schrei: Der Walhaikopf mit zwei gelben Putzerfischen auf der Unterlippe taucht direkt vor uns auf und verschwindet wieder. Keine Zeit, dies zu verarbeiten. Sofort schweben vier, fünf Mantas aus der Tiefe nach oben. Fasziniert blicken wir in ihren reusenartigen Schlund, durch den sie das Plankton filtern.
Im Nu schwimmen bis zu 20 der tonnenschweren Tiere hintereinander in Reih und Glied, einer ozeanischen Choreografie folgend, drehen übermütig Pirouetten und entblößen dabei ihren genetischen Code, die weiße Unterseite mit den eigentümlichen Streifen. Wir haben Riesenglück, sagt Zoé. So hautnah beide Spezies zu erleben, das gibt es nur vier-, fünfmal pro Saison.
Ein besonderes Highlight auf Landaa ist der Spa-Bereich. Die Pavillons für Yoga und Massagen liegen direkt in der Lagune, das ayurvedische Retreat versteckt sich in einem mit Gebetsfahnen geschmückten Kräutergarten. Zunächst bestimmt ein ayurvedischer Arzt Typ und Behandlung. Nach einem gesungenen Mantra folgt eine zweistündige, synchron ausgeführte Vierhand-Öl-Massage.
Zum Abschluss gibt es den roten Henna-Punkt zwischen die Augen und eine Schale Ingwertee. Ebenso raffiniert das kulinarische Konzept: Morgens schneidet der Koch exotische Früchte nach Wunsch auf. Zum Sundowner und Einsiedlerkrebsrennen trifft man sich barfuß im italienischen „Blu“. Das „Al Barakat“ entführt in einen Reigen libanesischer Meze wie aus Tausendundeiner Nacht.
Die Tage in Landaa geben uns das Gefühl, auf Händen getragen zu werden, von der Begrüßung mit Namen bis zum Abschied, wenn das winkende Personal auf dem Steg immer kleiner wird und schließlich unserem Blick ganz entschwindet.
Info Malediven
Four Seasons Resort Maldives at Landaa Giraavaru,
Baa Atoll, Republik der Malediven,
Tel. 00960/6600888,
www.fourseasons.com/de/maldiveslg
Hauptsaison für Mantas und Walhaie Juni bis Oktober.





