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Das Wüsten-Hoch


Rund um den Hohen Atlas liegt der große Süden Marokkos: Am historischen Portal zur Wüste und zu Afrika verbinden Orte wie Marrakesch, Essaouria, Quarzazate oder Taroudant die hohe Kultur und Tradition des Orients mit dem Abenteuer einer immer noch wilden, faszinierend-fremden Welt.

 

Text: Stefan Endrös

 

Essaouira, die schöne Küstenstadt aus 1001 Nacht.

Abends in Essaouira: Die Gassen sind voll mit Menschen. Lichter, Händler, der Duft von frischem Gebäck, Leder und Gewürzen. Man fühlt sich hineinversetzt in eine Atmosphäre wie in einem dieser alten, kitschigen Historienfilme über Arabien und 1001 Nacht. Farbenfrohe Stoffrollen zur Linken, prächtig aufgetürmte Curry- und Paprikapyramiden auf der anderen Seite, glitzernde Messing- neben schlichten Plas­tik-Haus­haltswaren. Und gerade mal eine Gasse weiter folgt der Schlachter-Souk mit seinen an der Decke hängenden Ziehenköpfen. Ein Gewirr an Eindrücken, Bildern und Gefühlen in dieser lebendigen, einst portugisischen Hafenstadt, dem früheren Warenumschlagsplatz Afrikas für die Schätze von Timbuktu, dem heutigem Reise­erlebnis am atlantischen Ozean.

 

 

L'Heure bleue

Der märchenhafte Patio des L’Heure Bleue Palais in Essaouira

Und plötzlich ein schlichtes Tor, ein dezentes goldenes Schild. Man tritt ein in eine moderne Karawanserei, in einen Innenhof mit Palmen, Ba­nanenstauden und Springbrunnen, in der der Trubel von draußen plötzlich wie weggedrängt wirkt und sich Ruhe, Entspannung und Luxus mit dem orientalischen Flair verbinden. L’Heure Bleue, die blaue Stunde, nennt sich das Hotel, das in einem alten Stadtpalast und Riad von seinen französischen Besitzern und Gestaltern wie eine Märchenwelt in die ummauerte Altstadt-Medina von Essaouira integriert wurde.


Ein Meister­werk des De­signs aus orientalischen Zi­taten, verklärend kolonialen Elementen und modernsten Stilformen, geschaffen von jungen französischen Architekten. Natürlich inklusive kabelloser W-Lan-Technik im gesamten Hotelbereich.Genau die Mischung, in der sich der prächtige Süden Marokkos rund um den Hohen Atlas am Nordrand der Sahara seinen Be­su­chern am liebsten präsentiert: Alt und neu treffen direkt aufeinander. Der hohe Anspruch und die Tradition, das Spiel mit der His­torie und die Liebe zum französischen Savoir-vivre bieten Reisenden das ideale Umfeld für das Land, das so reich an Kultur, an Lebensstil, an Gefühlen und Charakter ist.

  

Tradition und Eleganz

Im prächtigen Salon Oriental serviert Gourmet-Koch Sylvian Scotti sein regional inspiriertes Menü, das manchmal optisch etwas zu sehr an die Bazar-Küchen erinnert, und man bezahlt dafür mehr als 40 Euro, wo man draußen in den Gassen ein gutes Brot für gerade mal einen Dirham (10 Cent) bekommt. Die Welten begegnen sich, aber sie stoßen gelegentlich auch etwas hart aufeinander. Wenn in Marokko der Brotpreis leicht er­höht wird, gibt es Aufstände. Drinnen haben die Hotelange­stellten das elitäre Design-Erlebnis à la bonheur schon so verinnerlicht, dass sie ganz indigniert schauen, wenn ihr Trinkgeld nicht nach Pariser Maßstäben großzügig genug bemessen sein sollte.


Am Hafen, rund um den Place Mulay El Hassan, empfehlen sich stattdessen unzählige freundliche „Grillade“-Stände mit frischen Sardi­nen, Tintenfischen und sonstigen Meeresfrüchten. Das Fisch­restaurant Chalet de la Plage hingegen gilt nach Ansicht vieler Reise­führer als Top-Adresse. Aber außer den schönen Tischen direkt am Strand mit karierten Tischdecken, ist das Essen so, dass man sich eher vor den nächtlichen Folgen fürchtet. Die Franzosen am Neben­tisch genießen zumindest den Wein: Weil sie sich dadurch so großherzig gut fühlen, werfen sie Münzen und Kugelschreiber als Ge­schenke zu den Buben hinunter, die wild und ehrgeizig im Sand Fußball spielen. Wütend über diese post-koloniale Arroganz werfen die Kids die Stifte in hohem Bogen zurück.

 

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  • Re:

    That saves me. Thanks for being so sneisble!

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