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Die Straße der Sehnsucht

Der Strand von Tofo liegt zu Füßen der Bamboozi-Lodge

Mosambik überrascht. Das Land am Indischen Ozean ist ein Afrika der Fülle mit üppigen Landschaften, endlosen Stränden, kolonialem Charme, Luxusresorts und Menschen, die trotz bewegter Vergangenheit das Lachen nicht verlernt haben. Eine Entdeckungstour auf der N1, einer Straße mit vielen Gesichtern.

 

von Brigitte Giesler und Gerd Giesler (Fotos)

 

 

Wir haben die Dhow nicht kommen sehen. Hingen Tagträumen nach. "Mozambique, the sunny sky is aquablue", Bob Dylans gutturale Stimme aus dem iPod wird übertönt von einer wahren Kakofonie. Gierig kreisen Möwen über einem Flecken am menschenleeren Strand von Indigo Bay. Die altersschwache Dhow mit dem ausgebleichten Dreieckssegel ist umringt von Fischern, Netzen, bunt gekleideten Frauen mit einem Teint wie Bitterschokolade. Das Wasser vibriert, zappelt, Möwenschnäbel schnappen nach Sardinen. Die Frauen, um ihren Anteil bedacht, handeln, feilschen unermüdlich, bis alle Geschäfte unter Dach und Fach sind und wieder Ruhe einkehrt in Indigo Bay. Mühsam rammt ein Junge die Ruderstange immer wieder ins seichte Wasser, die Dhow schwebt in die gleißende Mittagssonne, wird zum schwar­zen Punkt am Horizont. Täglich wiederholt sich dieses Ritual, weitergegeben vom Vater zum Sohn, seit Jahrhunderten unverändert.

 

Unbekanntes Mosambik

Die Fischer von Indigo Bay (oben) und der Leuchtturm von Zongoene in wildroman­tischer Abgeschiedenheit

2.700 Kilometer Küste zwischen der Hauptstadt Maputo, einen Katzensprung von Südafrika und den Quirimbas-Inseln an der Grenze zu Tansania – Mosambik hatte schon einmal einen legendären Ruf als Urlaubsdorado. In den 1960er-Jahren entdeckten reiche Südafrikaner den Reiz des Bazaruto- Archipels. Damals war das Land noch eine Kolonie Portugals, was auf Vasco da Gama zurückreicht, der 1498 auf der Ilha de Mozam­bique einen Zwischenstopp eingelegt hatte. Das Bazaruto-Archipel, sechs Inseln von betörend bizarrer Schönheit. Korallengärten und Dünen, Hunderte von Metern hoch, die sich in endlose Sandstrände ergießen. Dutzende von pinkfarbenen Sandbänken, die sich im Spiel der Gezeiten aus dem türkisen Meer erheben und wieder verschwinden. Schildkröten, Delfine und Wale tummeln sich im besten Tauchrevier des Landes, dazu eine bunte Vogelwelt und sogar Krokodile im Inselinneren.

 

Lange vor dem blutigen Bürgerkrieg, der auf die Unabhängigkeit folgte, sang Bob Dylan von den glücklichen Menschen hier. „Mozambique“ komponierte er im Art-déco- Hotel von Santa Carolina. Das Hotel gibt es längst nicht mehr, aber das Piano wurde vor dem Krieg und dem Taifun gerettet. Es steht heute dort, wo Dylans Sehnsucht nach Strand, Meer und den „beautiful people“ eine Reinkar­nation gefunden hat, in Indigo Bay. Die Insel, eine Mischung aus Tropen und Sahara, zählt zu den exklusivsten Paradiesen dieser Erde. Knapp 15 Minuten dauert der Flug vom brandneuen Flughafen Vilanculos am Festland. Straßen gibt es auf der Insel nicht. Per Landrover gelangt man in das Luxusresort, das sich mit seinen kilometerlangen, einsamen Stränden, mit Spa, Tauchschule, zwei Restaurants, Lounge sowie 30 Strandchalets und 14 Poolvillen über der Bucht mit Topanlagen auf den Malediven vergleichen lässt. Fernab von Massentourismus und Großstadtlärm schwelgen die internationalen Gäste im paradiesischen Urzustand, vom morgendlichen Bad mit fliegenden Fischen bis hin zum Picknick auf einer idyllischen Sandbank.

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