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Eiffels Eisenhaus in Maputo

Juwel von Maputo: das Polana Serena Hotel. im Kolonialstil

Es wäre jedoch schade, Mosambik nur auf die Inseln zu reduzieren. Per Mietwagen, mit oder ohne Chauffeur, erschließen sich entlang der N1, der einzigen Küstenstraße des Landes, un­berührte Landschaften, koloniale Marktflecken und vor allem die Menschen. Zwei Routen bieten sich an: Mit dem Mietwagen von Johannesburg via Maputo entlang der mosambikanischen Küste und wieder zurück. Oder one-way mit Chauffeur immer nordwärts bis Vilanculos, bevor es per Inselflieger nach Indigo Bay und dann zurück nach Maputo geht. Maputo zählt im Gegensatz zu Dar es Salaam zu den eindrucksvollen afrikanischen Metropolen. Die Stadt, die der Schriftsteller Henning Mankell zu seinem Zweitwohnsitz erkoren hat, besticht durch ihr imposantes Leben am Hauptbahnhof oder dem Mercado Central. Hinzu kommt eine illustre architektonische Mischung aus überbordendem kolonialem Barock und sozialistischer Nüchternheit, gewürzt mit der alten Festung und einem von weltweit nur zwei im IKEA-Stil gebauten Eisenhäusern Gustave Eiffels. Das zweite "Caso do ferro" wurde einst über den Amazonas verschifft und bildete die Vorlage für Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo".

 

Farbenfrohes Mosambik

Maputos Polana-Hotel mit schneeweißer Fassade, der luxuriösen Inneneinrichtung und dem üppigen Park mit Riesenpool gleicht einem Schloss über dem Meer. So viel Ruhe, Weite und unverbauten Meerblick hätte man im quirligen Maputo nicht erwartet. Das Schönste am Polana aber ist das reichhaltige Frühstücksbüffet auf der Kolonialterrasse mit Blick aufs azurblaue Meer. Wenn sich hier ein Sächseln im internationale Sprachgeflüster der Gäste heraushören lässt, so liegt dies an Ex-DDR-Funktionären, die noch heute die Strippen im Geschäft ums Geld ziehen. Die anderen sind die Chinesen. Ohne sie wäre eine Entdeckungsreise auf der Straße der Palmen und Baobab-Bäume nicht möglich. China hat den Ausbau der N1 finanziert. Das nennt man wohl Kolonialisierung der Neuzeit.

 

Vorbei geht es an unzähligen Mango- und Cashewbäumen. Fahrer Francesco sprüht vor guter Laune. Trotz allem, was das Land durchgemacht hat, ist das Lächeln der Menschen, wenn sie die Scheu vor den Fremden verlieren, immer noch ansteckend. 15 Kilometer vor dem Dorf Xai Xai biegen wir zur Küste Richtung Zongoene ab, dem Tagesziel. Man darf sich nicht zu viel zumuten, denn bereits um 18 Uhr ist es stockdunkel. Mit Vierradantrieb geht es über rote, holprige Sandpisten, Dorfeinwohner winken, Touristen sind hier noch Tagesgespräch. Die Abgeschiedenheit der einfachen Zongoene Lodge ist spektakulär. Wir wechseln auf Quadbikes, ziehen wie im Neuschnee die erste Spur in den honiggelben Sand der wilden Strände. Die tiefstehende Wintersonne zaubert eine magische Abend­stimmung. Skurrile, knallgrüne "monkey pineapples" hängen überall wie giftgrüne Christbaumkugeln an kahlen Büschen. Affen lieben die süße Frucht. Vor Lehmhütten stampfen Frauen "Mille Mil", einen Getreidebrei.

 

Straße der Baobab-Bäume

Markttag in Quissico – Touristen sieht man hier selten.

Der nächste Tag, 247 Kilometer bis Inhambane, drei Fahrtstunden weiter auf der N1. In Xai Xai heißt es zunächst einmal Tanken für 2.200 Meticais, die einheimische Währung ist oft ein Muss. Hütten in Vodafone-Rot rauschen an uns vorbei. Die Telefongesellschaft zahlt den Anstrich mit ihrem Logo als Werbung, versteht sich.

 

"Feira", Markttag, in Quissico, einem winzigen schwarzen Pünktchen auf der Landkarte. Orangenberge, Flaschen voll höllisch scharfem Piri-Piri, ein weiß­ gekalkter Mann spielt auf der Marimba. Viele starren uns an. Später künden Palmenhaine das pittoreske Städtchen Inhambane an: ein Stelldichein beim lokalen Filmfest, ein buntes, intellektuelles Völkchen inmitten kolonialer Gemäuer. Melancholisches goldenes Licht stimmt auf den baldigen Abend ein. Wir fahren zum legendären Tofo-Strand, dem Sylt Mosambiks. Auf einer Klippe steht ein Mahnmahl als trauriges Zeugnis einer unrühmlichen Zeit: Bis 1963 warfen die Portugiesen hier aufmüpfige Sklaven in die Fluten. Über Nacht bleiben wir im Casa de Capitão, einem modernen, coolen Hotel am Mangroven-Ebbestrand. Die Kellner im weiß-blauen Matrosenlook servieren Lobster-Kebab mit Erdnuss-Chili.

 

Vier Stunden Fahrt warten am nächsten Morgen bis zu den Korallengärten von Vilanculos. Allmählich packt uns das On-the-road-Feeling. Irgendwo hinter Massinge machen die Palmen den Baobabs Platz. Gott habe den eigenwilligen Baum mit den Wurzeln nach oben eingepflanzt, erzählen Mythen. Bei Morrumbene tappt Francesco in eine Radarfalle. Umgerechnet 20 Euro Strafe. Fast kein Mensch spricht Englisch, unserer Fahrer ist Dolmetscher und Guide zugleich. Die beiden Polizisten winken uns weiter. Fraglich, ob das Geld je in der Gemeindekasse landet. Mit Inhambanes Kolonialcharme kann das aufstrebende Vilanculos nicht mithalten. Auch hier ist es mit dem Baden nicht so einfach. Anstelle von Brandung ist es der große Gezeitenunterschied, der ganze Fischerflotten trockenlegt und zu langen Strandspaziergängen einlädt. Der Ort ist auch Ausgangspunkt für einen Abstecher auf die Insel Bazarutos. Und in Vilanculos Beach Resort, ideal zum Relaxen. Abends dann die Überraschung: Unser Tisch unter Palmen ist fackelerhellt! Frischer Fisch, südafrikanischer Wein und als Begleitmusik allein das Rauschen des Pazifiks.

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