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München für Feinschmecker


Barock und Bussi-Bussi, Brauchtum und Beschaulichkeit. Wer die Isar-Metropole so beschreibt, hat recht. Wer sie darauf reduziert, nicht immer. Die besten Tipps zum Schlemmen, Staunen – und Mitreden über die Isar-Metropole.

 

Bild: Mauritius Images

Wenn ein Münchner Kellner „Brotzeitschmankerl“ ankündigt, dann assoziiert der Gast deftigen Leberkäse, zünftigen Radi und eine Brez’n mit „Obazdem“, dem typischen Biergartenkäse. So weit, so gut. Doch was ist, wenn der Obazda als Crème Brûlée daherkommt, der Leberkäse als Espuma und die obligatorischen sauren Gürkchen als knallgrüne Geleenudeln? Dann sitzt man zu Tisch bei einem der talentiertesten Münchner Newcomer und kann sich auf einen Abend voll kreativer kulinarischer Überraschungen freuen. Daniel Simkowitsch, der junge Küchenchef des Restaurants Tramin, hat sich rasch einen Namen gemacht in der Münchner Szene und führt mit Vorliebe Gaumen und Großhirn aufs Glatteis, indem er gelernte Geschmackskombinationen neu aufmischt. Sein Wiener Schnitzel entpuppt sich dementsprechend als ironisches Zitat aus Kalbstatar mit Wachteleigelb, Preiselbeerschaum und einem Bratkartoffelgelee.  Apropos Bratkartoffeln: Kultstatus genießt dieses gutbürgerliche Gericht in München im Lokal des Mannes, den man als Deutschlands berühmtesten Barkeeper kennt. Die Tische, an denen Charles Schumann an lauen Sommerabenden im Hofgarten sein  legendäres Roastbeef mit Bratkartoffeln serviert, sind heiß begehrt. Als Nicht-Stammgast hilft da nur: früh kommen und Geduld bewahren. 

 

Regionale Küche und Weine

Wer mediterranes Flair sucht, fühlt sich auf der Terrasse des Bogenhausener Restaurants Hippocampus wie in Italien

Ebenso lauschig, aber viel diskreter auf einer versteckten Innenstadt-Terrasse, sitzt es sich im Ederer, wo immer wieder bewiesen wird, wie delikat sich eine kreative Regionalküche von ihren bodenständigen Wurzeln emanzipieren kann, ohne je ihre Herkunft zu verleugnen. Karl Ederer, der einst beim Gottvater aller Münchner Köche, Eckart Witzigmann, am Herd stand, mag die Reduktion auf das Wesentliche und ist ein erklärter Feind jeden „Schnickschnacks“. Aus seiner Küche kommen vorzugsweise Produkte, die direkt vor der eigenen Haustüre gedeihen. Das Schweinefleisch stammt vom Bio-Hof in Hermannsdorf, die Wildkräuter vom  Ammersee und die gebratenen Saiblinge und Forellen schwammen morgens noch in bayerischen Gewässern. Dazu trinkt man erstklassige Frankenweine von Horst Sauer oder Paul Fürst. Auch so kann „typisch bayrisch“ schmecken. 


Für Liebhaber des deutschen Weins gibt es übrigens auch in München seit einigen Jahren eine erstklassige Anlaufstelle. Direkt am Viktualienmarkt liegt das Retters, das gleichzeitig Weinhandlung und Restaurant ist. Nicole Retter ließ einen sicheren Bürojob mit festen Arbeitszeiten sausen, um ihren Traum vom eigenen Lokal zu verwirklichen. Sie bietet ein handverlesenes Sortiment bester deutscher Winzer und dazu eine kleine Speisekarte. Hier wird marktfrisch, saisonal und immer mit dem Wein im Hinterkopf gekocht. Zum Lammragout in Spätburgunder geschmort mit Auberginenkaviar und Kartoffelgratin empfiehlt die engagierte Chefin einen Würzburger Stein Blaufränkisch vom Bürgerspital  – und man ist gut beraten, ihr einfach blind zu vertrauen. 

 

La Dolce Vita Bavarese

Kreative Tellerkunst trifft bayerische Schmankerln – die überraschenden Kreationen von Daniel Simkowitsch, Küchenchef im Tramin

Die Münchner rühmen ihre Stadt gerne als die nördlichste Italiens – und wirklich kommt man mediterranem Lebensgefühl in Deutschland nirgendwo so nahe wie in den Gärten seiner italienischen Lokale. Zu den besten Adressen zählt das Hippocampus, wo man die Küche von Witzigmann-Schüler  Cosimo Ruggiero genießt. Der Apulier setzt auf unverfälschte Aromen und beste Produkte, nachzuschmecken beim gegrillten Seewolf mit Gemüse, Olivenöl und Zitrone. 

 

Eine höchst innovative Version der in München so geliebten Italianitá tischt der junge Giorgio Maetzge auf. Die Küche des Restaurants Acetaia steht für überraschende Geschmackserlebnisse: festzustellen beim Risotto mit Mandel-Milch und Lakritz- Kaninchen oder den hausgemachten Ei-Tagliolini mit Pfifferlingen, Lavendel und Schweinebauch. Und nach dem Essen vielleicht noch ein kleiner Spaziergang im Park von Schloss Nymphenburg – das ist bestes Dolce Vita Bavarese.   

 

Info

Tramin, 

Lothringer Str. 7, München,

Tel. 089/44454090,

www.tramin-restaurant.de

 

Schumann’s Bar am Hofgarten,

Odeonsplatz 6–7, München,

Tel. 089/229060,

www.schumanns.de

 

Ederer,

Kardinal-Faulhaber-Str. 10, München,

Tel. 089/24231310,

www.restaurant-ederer.de

 

Retters, 

Frauenstr. 10–12, München,

Tel. 089/23237923,

www.retters.de

 

Hippocampus,

Mühlbaurstr. 5, München,

Tel. 089/475855,

www.hippocampus-restaurant.de

 

Acetaia,

Nymphenburger Str. 215, München,

Tel. 089/13929077,

www.restaurant-acetaia.de

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