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Porto, eine Winterreise

Porto = Portwein, klar! Doch Kenner schätzen die Stadt am Douro auch wegen ihrer erstklassigen Tafelweine und kleiner, feiner Restaurants.

 

Text&Fotos: Jens Leichsenring

 

UNESCO-Weltkulturerbe: Weinterrassen am Douro

Es kann kalt werden im winterlichen Porto. Eine feuchte Kälte zieht dann durch die Gassen, meter hoch peitscht der Wind die Atlantikwellen ans Ufer, und die Gischt fliegt hunderte Meter weit wie Schneeflocken umher. Im Foz Velha, einem kleinen gemütlichen Restaurant an der Mündung des Flusses Douro in den Atlantik, blicken die Gäste schaudernd hinaus aufs tobende Meer. Doch drinnen, in der eleganten, holzvertäfelten Gaststube im ersten Stock eines alten Hauses, lässt sich die Naturgewalt eigentlich gelassen betrachten. Denn Chef koch Marco Gomes hat aufgetischt und serviert ein modern interpre tiertes typisch portugiesisches Menü mit passenden Weinen.

  

Kreative Köche, exzellente Weine

So ist Porto im Winter eben nicht nur manchmal kalt und windig, sondern bietet vor allem beste Gelegenheiten, die kreativen Köche und die exzellenten Weine des Landes kennenzulernen. Stolz sind die Portugiesen ob der Vielfalt an Rebsorten und Regionen. Und so setzte auch Marco Gomes rund 60 lusitanische Weine auf seine Karte und lässt einen spritzigen Vinho Verde zu Wachteleiern im Maisbrot ins Glas laufen und kredenzt zu Rochenflügeln mit heimischen Gemüsen eine nach Lakritze und schwarzen Beeren schmeckende, leicht gekühlt servierte Reserva aus 100 % Touriga Nacional. 

  

In der Vielfalt liegt der Reichtum des Weinlandes Portugals

Zugegeben, leicht hat man es nicht, wenn man sich durch die großen Weinkarten portugie­sischer Restaurants „arbeiten“ muss. Viele fremd klingende Rebsorten wie die weißen Alvarinho- oder Fernão-Pires-Trauben oder die roten Castelão Francês, Trincadeira oder Aragonez hinterlassen manch ratlosen Weinliebhaber. Sommeliers haben da alle Hände voll zu tun. Doch genau in dieser Vielfalt liegt der ganze Reichtum des Weinlandes Portugal. Wer sich einen Überblick verschaf­fen möchte, ist auf der Essência do vinho bestens aufgehoben. Zur Weinmesse im imposanten Palácio da Bolsa in Porto kommt Portugals Winzerelite zusammen und präsentiert die neuen Weine und Jahrgänge. Mit dem Glas in der Hand und im Gespräch mit den Weinmachern lässt sich am besten entdecken, was einem schmeckt. 

 

Als Leitfaden dient dabei auch die große Blindverkostung internationaler Weinjour nalisten am Rande der Messe. 2007 machten sie ein ganz besonderes Tröpfchen aus: Der 2004 Quinta de la Rosa Reserva ist ein eleganter, seidiger Wein mit komplexen Aromen und einer feinen Tannin-Struktur. Winzer Jorge Morei ra lässt die Trauben von den steilen Terrassen des Douro ganz traditionell mit den Füßen in großen Granit becken treten und maischen und baut ihn anschließend 16 Monate in französischen Barriques aus. Wie so vielen seiner Kollegen gelingt es Moreira, Tradition und zeitgemä ße Technik im Weinbau zu verbinden und so Portugals Wein-Zukunft zu gestalte

  

Prachtstücke der Douro Boys

Cristiano van Zeller, einer der legendären Douro Boys.

Der Palacio da Bolsa ist aber auch das Jahr über Anlaufstation für Weinfreunde: Ein Verkostungsraum zeigt und lässt probieren, was Portugals Winzer aus ihren Kellern zaubern. Abends dann pilgert die Fangemeinde ins etwas abseits gelegene Degusto, Weinbar und Restaurant zugleich.

 

Im schlichten Interieur des hallenartigen Restaurants stehen 40 offene Weine zum Probie­ren bereit. Stammgäste genießen zuerst an der Bar und verspeisen dazu ein paar der köstlichen Amuse-Gueules wie Rotweinrisotto mit Ziegenkäse oder einen Salat von Kabeljau-Zun­gen mit Roquefort. Doch noch sollte man sich Appetit für die portugiesisch-italienische Küche aufheben, die das Restaurant serviert. Oktopus-Gnocchi mit Prosciutto oder mit dicken Bohnen und geräu­cher­ten Würstchen gefüllter Fasan warten auf experimentierfreu­dige Feinschme­cker.

 

Auch die Winzer der renom­mierten Douro Boys treffen sich hier gerne zum Dinner. Die Weine von Dirk van der Niepoort, Cristiano van Zeller oder Miguel Roquette – viele von ihnen stehen im Degus­to auf der Karte – sind weltweit gefragt und haben leider ein beacht­liches Preisniveau erreicht. Doch viel ist in den steilen Hängen des Douro bis heute Hand- und Fußarbeit. So lässt zum Beispiel auch Cristiano van Zeller auf der Quinta do Vale Dona Maria all seine Rotweine schonend mit den Füßen pressen und baut sie bis zu 18 Monate in franzö­sischer Eiche aus. Ungefilterte Prachtstücke, mit höchstem Qualitätsbewusst­sein produziert! Wer sich im De­gusto eine Flasche Quinta do Vale Dona Maria öffnen lässt, kann etwas vom Stolz der Portugiesen erahnen und versteht, warum es sich lohnt, einen Abstecher in Portos kalten Winter zu machen.

In diesem Artikel
  1. Porto: eine Winterreise

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  • Re:

    It\'s spooky how clever some ppl are. Thkans!

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