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Kinder willkommen!


Krachend fällt ein Louis-Seize-Stuhl zu Boden, klirrt ein Silberlöffel übers Parkett oder vom Nebentisch kippt das Rotweinglas hinüber. Kinder im Luxus­hotel? Lange galt: Bitte nicht! Und wenn, dann nur geduldet, Schweigen und Stillsitzen vorausgesetzt. Nun hat die gehobene Hotellerie die Not der Eltern erkannt und setzt auf neue, kleine Gäste, die sich wie die großen wohlfühlen dürfen

 

Text: Antoinette Schmelter de Escobar

  

Ewas fremd fühlen wir uns schon, als uns die Drehtür ins Reid’s Palace auf Madeira kreiselt. Denn egal ob Concierge in dunkler Livree, dicke Teppiche, opulente Blumenarrangements, Kronleuchter oder deckenhohe Spiegel – all das flößt meiner zehnjährigen Tochter ziemlichen Respekt ein.

 

Was das 1891 eröffnete Fünfeinhalbsterne-Haus an altenglischer Eleganz zu bieten hat, steht nämlich in krassem Kontrast zu dem leger-geschäftigen Treiben draußen auf der Hauptstraße im Hotelviertel von Funchal. Doch schon nach erstaunlich kurzer Zeit hat sich Clara an den Luxus eines Orient-Express-Hotels gewöhnt und ist von der Familienfreundlichkeit dieses Traditions­hau­ses überzeugt: angefangen von den weißen Frotteepantoffeln, die auch in Mädchengröße vor dem Bett warten, über den Paradeplatz, auf dem das Zimmermädchen ihr Kuscheltier abends auf den auf­geschlagenen Decken drapiert, bis zu den Pasta-Kinderportionen und zuvorkommenden Kellnern im Restaurant Villa Cipriani.

  

„Eltern, die zu uns kommen, sind im Alltag sehr beschäftigt“, erklärt Resident Manager Ulisses Marreiros diese Aufmerksamkeiten. „Da wollen sie zumindest die Ferien gemeinsam mit ihren Kindern genießen.“ Oder sie dann bestens aufgehoben wissen, wenn Erwachsene allein ins SPA oder zum eleganten Dinner Dance gehen. Genau deshalb leistet sich das Reid’s ein 360°-Programm namens „Fun@Reid’s“ für drei- bis neunjährige Kinder sowie neuerdings auch Teenager, das vom Kindersitz beim Flughafen-Transfer über einen bunten und natürlich alkoholfreien Willkommenscocktail bis zu Freizeit-Aktivitäten reicht.

 

Die Kiste Lego reicht nicht mehr

Immer mehr Hotels bieten Kreativ-Kurse und Clubs für Kinder

 

Maßgeschneiderte Angebote für junge Gäste sind bei Häusern der gehobenen Kategorie en vogue. Kempinski beispielsweise hält in all seinen Hotels Willkommensgeschenke für Gäste bis zwölf Jahre bereit: kostenlose Badeutensilien oder die Gute-Nacht-Milch. Das Schweizer Grand Resort Bad Ragaz organisiert in seiner neu gestalteten Kindervilla ein aktionsreiches Drinnen-wie-Draußen-Programm für Kinder. Neben einer professionellen Betreuung erwartet die Kleinen im Restaurant Olives d’Or auch ein eigenes Kindermenü. Die zur TUI gehörigen „Dorfhotels“ kombinieren den gehobenen Service eines Hotels mit dem Freiraum in großzügigen Appartements, die über mehrere Schlafzimmer verfügen. Ein besonderes Schmankerl für die Eltern: Bei Buchung von Halbpension gilt für Kinder bis 14 Jahre in den Dorfhotels automatisch „all inclusive“. Auf Kinderfreundlichkeit von Anfang an setzt auch das im Frühsommer 2011 öffnende Steigenberger Grandhotel Heringsdorf und plant altersgerechte Angebote für Kinder, u.a. einen Pavillon für Teenies, in dem sogar Trendsportarten wie Kite-Surfen angeboten werden sollen. „Die Kiste Lego und Malbücher in irgendeiner Ecke sind zu wenig“, betont Direktor Ilgo Hagen Höhn. „Wenn man wie wir stark auf Wellness setzt und Eltern die Möglichkeit geben will, in Ruhe zu relaxen, muss man die Kinderbetreuung adäquat abdecken. Und das, ohne kinderlose Paare zu stören.

 

Spielend lernen im Urlaub

Kleine Aufmerksamkeiten für Kinder sind inzwischen in vielen Hotels selbstverständlich. Doch gerade die vermeintlich „steife“ Luxus-Hotellerie geht einen Schritt weiter, geht gezielt auf die speziellen Bedürfnisse von Eltern und Kindern ein und baut das Programm ständig aus. Das Grand Hotel Heiligendamm zum Beispiel bietet kleinen Gästen eine eigene Kindervilla zum Spielen oder Malen. Das Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten setzt im Advent auf seinen TeddyBear-Tea mit lebens­großen Steifftieren und einem Büffet auf Kinderaugenhöhe. Das Berliner Ritz-Carlton errichtet einen goldenen Thron zur Begrüßung der kleinsten Gäste und offeriert „Bubble“-Bäder mit ganz viel Schaum, 20 Quietsche-Entchen und einer Schale Gummibärchen. „Früher liefen Kinder einfach mit. Heute nehmen Mütter und Väter sie ernster und sind deshalb anspruchs­voller“, weiß Judith Fuchs-Eckhoff, Direktor Sales & Marketing der kinderfreundlichen Selektion deutscher Luxushotels. „Für uns ist das ein Ansporn, zum Begleiter durch alle Lebensabschnitte zu werden. Und zwar nicht nur in Resort-, sondern auch in Stadt-Hotels, da Eltern ihre Kinder verstärkt dorthin mitnehmen, um mit ihnen Sightseeing zu machen, Konzerte oder Museen zu besuchen.

 

Große Klasse: der Kid's Club im Hillside Beach Club

  

“Narrenfreiheit haben Kinder im Luxushotel jedoch nicht. Wild tobende, Wände beschmierende oder mit dem Essen spielende Kinder sind auch im tolerantesten 5-Sterne-Haus nicht gerne gesehen – und auch für die Eltern keine Erholung. So haben manche Hotels zusätzlich zum „in der Regel guten Elternhaus“ Benimm-Kurse für die kleinen Klienten ins Leben gerufen: In Knigge-Kursen lernen Kinder auf spielerische Weise nicht nur wichtige Verhaltensweisen, sondern bekommen auch Know-how in der hohen Kunst des Small Talks oder die Freude an „frisch zubereitetem Essen oder wunderbaren Fischsorten“ vermittelt. Was manchem auf den ersten Blick vielleicht übertrieben erscheinen mag, ist für viele Eltern eine will kommene Hilfe stellung. Denn von Fremden und dazu noch in einer Gruppe Gleichaltriger lernt es sich leichter und spielerischer, als wenn Mama oder Papa Kritik anbringen. Passieren dennoch „Ausreißer“, zum Beispiel wenn übermütige Kinder blank gebohnertes Parkett als Rutschbahn zweckentfremden oder in einer Lobby lärmen, haben manche Häuser sogar eigens geschulte Servicekräfte mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um die Eltern zu sensibilisieren. 

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