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Samba contra Samba

Rio de Janeiro contra Salvador da Bahia. Die eine quirlig, stolz, orgiastisch und unter Christus’ schützender Hand. Geheimnisvoll, afrikanisch, morbide und süß wie Zimt und Nelken die andere. Zweimal Brasilien. Zweimal Samba. Zweimal Kontrastprogramm.

 

Text und Bilder: Brigitte und Gerd Giesler

 

(Bild: Getty Images)

Welche Stadt der Welt kann sich rühmen, dass gleich zwei ihrer Strände in weltberühmten Songs verewigt wurden? „An der Copa, Copacabana“ fiel Barry Manilow in Liebe mit einer Schönen – und nach ihm ungezählte weitere Liebende aus aller Welt. Am Nachbarstrand Ipanema ließen Stan Getz und Frank Sinatra ihr Girl so lasziv mit den Hüften schwingend an den Bars vorbeischlendern, dass heute noch alle unglücklichen Romeos in dieser schmachtenden Sehnsucht vergehen.

 

Hotels Sofitel: Mit Blick auf den Zuckerhut

Sahnestück des Hotels Sofitel: das Pooldeck (u.) über der Copacabana mit Zuckerhut im Hintergrund.

In erster Reihe zwischen diesen beiden Paradestränden liegt das Hotel Sofitel. Viele Hotels haben den Zuckerhut im Rücken, vom Sofitel blickt der Gast genau darauf. Schon Sinatra wusste das zu schätzen und logierte hier. Doch seitdem hat das Haus ein gründliches Facelifting erfahren. Die Deluxe-Zimmer bieten einen Blick auf pausenloses Strandleben. Für Sonnenanbeter gibt es zwei Pools, je nach Sonnenstand. Das erste Tageshighlight: Champagnerfrühstück am Morgen pool, wenn die Luft noch seidig kühl ist und die Copa erwacht. Rio ist wahrlich sinnesbetörend. Eine Stadt, die jeden Zentimeter zwischen Berg und Meer nutzt. Ihr Wahrzeichen Cristo Redentor („Der Erlöser“) thront 693 Meter auf der Spitze des Corcovado, des „Buckligen“. Die linke Hand weist demonstrativ auf das Maracanã-Stadion. Mit der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 haben die Carioca, die Bewohner Rios, auch sportlich die Nase vorn. 

Rio zwischen Meer und Bergen

Das Wahrzeichen Rios: Cristo Redentor („Der Erlöser“) thront 693 Meter auf der Spitze des Corcovado.


Beide Stadtberge lassen sich an einem halben Tag bezwingen. Mit einer privaten Limousine vom Sofitel. Am besten mit Ivandro als englisch-französisch sprechendem Chauffeur. Hinauf auf den Corcovado geht es durch den „Floresta da Tijuca“, den größten Stadturwald der Welt, und weiter zum Sundowner per Seilbahn auf den Pão de Açúcar (396 Meter) zu einem grandiosen Blick auf Lichtermeer und Ozean.

 

Die Carioca lieben das Meer, die Avenida Atlantica, den Laufsteg, der wie das Wellenmuster seiner Promenade sanft swingt und auch Nicht-Hedonisten ein unheimlich gutes Gefühl gibt. Die knackigsten Typen, das sind die jungen Fischer vis-à-vis vom Sofitel. Sie tragen die Badehosen tief wie einen Lendenschurz. Die schönsten Frauen trifft man in der Brandungszone der Ipanema, bekleidet mit einem „Fio dental“ („Zahnfaden“), wie die Brasilianer den String-Tanga getauft haben, und drei mal fünf Zentimeter Stoff für das Nö­tigste. In Rio ist Schönheit kein Privi­leg der Reichen. Manche Kaffeebraune stammt aus den Favelas, den Slums. Die Samba dort klingt härter, nach Überleben, Kokain und Razzien. 

 

Samba in Santa Teresa

Der morbide Charme von Lapa und Santa Teresa zieht Rios Lebenskünstler und Nachtschwärmer an.

Rio entstand an den Hängen, in den 20ern baute der Geldadel Villen in Lapa und Santa Teresa, später zog man in Strandpaläste an Copa und Ipanema. Santa Teresa verfiel. Heute platzt das schmucke Ipanema aus allen Nähten, und hinter São Conrado zieht man Wohnsilos hoch. Die Maler, Lebenskünstler und viele Europäer zog es dagengen zurück auf Rios Montmartre. Sie restaurierten mit Liebe die alten Häuser, und das Dreieck zwischen dem Aquädukt, dem Headquarter der Ölfirma Petrobras und dem Betonkegel der Catedral Metropolitana erblühte zum Epizentrum des Nachtlebens.

 

Viva la Samba! Von ihr leben die unzähligen Sambaschulen.  Die Escadaria Selarón, eine bunt ge­kach­elte Treppe führt hi­nauf ins Künstlerviertel Santa Teresa. Wer will, nimmt den Bonde, eine nos­talgische Straßen­bahn. „Es zahlt nur, wer sitzt“, erklärt Ivandro. Umso mehr hängen als Trittbrettfahrer dran. Oben, in der Bar do Mineiro, spielt Wirt Diogenes Samba. Ehrlich. Authentisch. Samba, die glücklich macht. Wenn auch nur für eine Nacht. 

 

 

 

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