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Saint-Tropez - Bühne der Eitelkeit

Die Perle an der Côte huldigt dem Sommertheater bis spät in den September. Seit 30 Jahren das gleiche Stück. Fröhlichkeit, die Lust am Sich-zur-Schau-Stellen, eine Prise Amour fou. Die Mischung hat Suchtpotenzial! 

 

Text und Fotos von Gerd Giesler


Gassin, Ramatuelle, Saint-Tropez. Die Côte d'Azur rund um St.-Tropez lockt zu Entdeckungstouren


Es ist eine der schönsten Lebenslügen, dieses Saint-Tropez. Ein sorgsam gepflegtes Museum. Ausgestellt und von den Franzosen gehütet wird die Kunst zu leben, Savoir-vivre mit einem Schuss Dekadenz. Ein Lebensgefühl, das Klatschreporter einst mit ihren Fotos und Berichten in die Welt trugen, Zeugnisse eines neuen Hedonismus, die heute in den Archiven von „Bunte“, „Quick“ und „Harper’s Bazaar“ schlummern.

 

Auch wenn Gunter Sachs nie wieder Rosen aus dem Helikopter streuen wird und Brigitte Bardot nur mehr auf den Leinwänden der Hafenmaler ihren Schmollmund schürzt, in Saint-Tropez bleiben die Krisen und Katas­trophen unserer Zeit ausgesperrt. Und das Aufgebot an Megayachten und Ferraris gaukelt den Akteuren ein nicht enden wollendes Sommermärchen vor. Der Stoff, aus dem die Träume sind?

 

Wenn St.-Tropez eben St.-Tropez ist

Das tägliche Strand­ritual im Club 55, Nikki Beach oder Tahiti Plage, dort, wo Louis de Funès als Gendarm sein Fahrrad unter den mächtigen Schirmakazien abstellte, um die Nackten zu vertreiben. Das nachmittägliche Pétanque-Spiel der Einheimischen am Hauptplatz, der Place des Lices. Der Pastis in den roten Regiestühlen des Café Sénéquier, in dem selbst ein Lagerfeld keine große Beachtung findet.

 

Die ewig jungen Nächte nach dem Motto „dress to impress“ in den Caves du Roy des Hotel Byblos, im VIP Room oder in der Urmutter der Jetset-Nachtclubs, dem Papagayo. „Wenn dann selbst Tom Cruise an der Tür scheitert, weil er nicht auf der Gästeliste steht“, erzählt der holländische Direktor der Villa Belrose bei der Cocktailstunde auf der Hotelterrasse mit Blick über die ganze Bucht, „dann ist Saint-Tropez eben Saint-Tropez.“

 

Die Yachten am Catwalk von Saint-Tropez werden zwar immer teurer, doch sonst ändert sich wenig im Ort

Das Menü vom Sternekoch unter Sternen

Wie kein anderer seiner Hotelierskollegen kennt und liebt Robert van Straaten diese En­klave, weiß den neuesten Klatsch und gibt beste Ausflugstipps, egal ob zum Ausritt hoch zu Ross nach Grimaud, zum Bummel durch das mittelalterliche Ramatuelle, zum Golfen nach Beauvallon, zum Sundowner auf einen Katamaran oder zum Wasserfall in die atemberaubende Verdon-Schlucht. Diesen ganz persönlichen Service schätzen die vorwiegend deutschen Gäste in dem kleinen, feinen Althoff-Hotel, das van Straaten seit sieben Jahren leitet.

 

Am schönsten diniert man fern des Rum­mels auf der Hotelterrasse bei einem mediterranen Menü von Sternekoch Thierry Thiercelin, während es in der Bucht Saint-Maxime zu funkeln beginnt. Dann vergisst man den täglichen Stau, das Gedränge am Markttag und die vielen Touristen. „Eisschlecker“ nennt sie van Straaten, denn staunende Flanierer gehören zu den Yachten wie Motten zum Licht. Auch das ist Saint-Tropez.

 

Ein Ferienhaus Fast am Tahiti-Strand 

Direkt hinter dem Ortskern beginnen die Villen. Es ist ein mediterraner Garten mit Stichstraßen, die immer wieder vor mächtigen Toren mit Digitalcode enden, hinter denen Hunde bellen. Viele dieser Anwesen, egal ob abgeschottete Prachtvilla oder Dichterklause, die dem Pinsel eines französischen Impressionisten entsprungen scheint, sind für Urlaube zu mieten. Der Nachteil: Die Preise sind oft schwindelerregend und die Strände weit.

 

Anders: Les Bougainvilleas. In dem ganzjährig zu mietenden Ferienbungalow fehlen zwar Austernmesser und Trüffelhobel in der Küche, und auch sonst muss man kleinere Abstriche machen, dafür brilliert das schnuckelige 3-Schlaf­zimmer-Haus mit Pool und kleiner Liegewiese. Zu Fuß sind es nur fünf Minuten zum Tahiti-Strand, vorbei am „Pinienzapfen“, dem Restaurant La Pomme de Pin. „Das einzige, in dem es die Plat du Jour, das Tagesgericht, noch für zwölf Euro gibt“, schwärmt Jean-Charles, der Freund des englischen Ferienhausbesitzers, der die Neuankömmlinge empfängt.

Im ruhigen Gassin thront über der Bucht das Hotel Villa Belrose, eine ehemalige Privatvilla.

Das weiße Gartentor, das automatisch zur Seite fährt, der palmengefasste Parkplatz, die Holzbohlen, hinauf zum uneinsehbaren Garten mit türkisem Pool, das Bougainvilléen-umrankte ockerfarbene Häuschen mit dem Sonnenhochsitz zwischen den Terracotta-Dachziegeln: ein ideales Refugium. Hier oben schweift der Blick über die Pinien bis zum Meer.

 

Jedes Schlafzimmer verfügt über Bad und Toilette, sodass sich auch bis zu vier Erwachsene mit zwei kleineren Kindern oder zwei Paare hier wohlfühlen. Den Hausmittelpunkt bildet eine helle Küche mit Esstisch, angrenzendem Wohnzimmer, Fernseher, DVD und W-LAN, auch eine Abstellkammer und Waschmaschine sind vorhanden.

  

Ein bisschen vom alten Charme genießen

Die Lieblingsplätze sind schnell gefunden und liegen alle im Garten. Morgens frühstückt es sich fantastisch auf der Terrasse, natürlich mit frischen Mandelcroissants und Pain Moisson aus der kleinen Tropezienne-Bäckerei am Place des Lices.

 

Es macht einfach Spaß, dienstags und samstags auf dem Markt einzukaufen, Wildschweinsalami, Zucchiniblüten, Oliven, Käse und den köstlichen Rosé von Chateau Minuty, dem berühmtesten Weingut der Halbinsel. Kleine Rituale wie diese machen den Hausbesitzer auf Zeit zum Insider. Bald grüßt man den Bäcker, die Boutiquenbesitzerin und den Patron an der Bar wie alte Bekannte.

 

Die Tage an der Côte sind geprägt von derselben spielerischen Leichtigkeit wie die Chansons von Brigitte Bardot. Nachmittags zieht man sich vom Strand zurück in den Schatten des dreiarmigen Olivenbaumes im Garten und genießt die Ruhe, die nur ab und an vom Brummen der Helikopter oder einem Ferrari unterbrochen wird, denn der größte Vorteil des Hauses ist für Geräuschempfindliche ein Makel: Zum Strand wollen in der Hauptsaison alle, und das zumeist mit ihren Edelkarossen. Der Weg dorthin führt am Haus vorbei.

 

Abends jedoch, wenn die Meute abgezogen ist, die ganze Botanik an der Côte im Abendlicht fast unwirklich zu leuchten beginnt, wenn die Salzluft vom Meer und der Duft von Pinien, Lavendel und der Scampis vom Grill sich mischen, dann hat man wieder das Gefühl, ganz Saint-Tropez sei ein unschuldig schönes Fischerdorf, das einfach nur wachgeküsst werden wolle.

 

Info

Althoff Hotel Villa Belrose,
Boulevard des Cretes La Grande Bastide,
83580 Gassin / Saint Tropez,
Tel.: 0033/494/559797,
www.villabelrose.com

 

Villa Les Bougainvilleas,
bei Saint-Tropez, Strand Pampelonne,
Buchung über Siglinde Fischer - Charming Places,
Tel. 07355/93360,
www.siglinde-fischer.de

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