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Brot & Spiele in Verona


Prosciutto, Panini und ein Gläschen Bardolino – mit einer Tour durch Veronas Osterien und Trattorien beginnt für Kenner die wahre Festspielsaison.

 

Text & Fotos: Jens Leichsenring

 

Cafés wie auf der Piazza dei Signori hat Verona viele.

 

Verona im August, 20.30 Uhr: Das Volk drängt durch die Gassen hin zur großen Arena. Ob Verdi, Puccini oder Bizet, um 21 Uhr öffnet sich der Vorhang zum großen Sommerspektakel, den Festspielen von Verona. Bis spät nach Mitternacht kann das Spiel um Liebe, Verrat und Tod dauern. Wer da nicht beizeiten für das leibliche Wohl sorgt, den verlässt schnell die Kondition.  

 

So kursiert auf den Internetseiten der Tipp vom urigen Picknick mit Prosecco und Prosciutto in der Arena. Doch allein bei der mitgebrachten Flasche Wein spielen die Sicherheitskontrolleure nicht mit – an Gläser, Messer oder Gabel ist schon gar nicht zu denken. So verlegt man die Sorge um sein Wohlergehen besser auf die Stunden vor Vorstellungsbeginn und lässt sich vini e panini in einer der traditionellen Osterien schmecken.

  

Auf ein Gläschen

Bei Panini und einem Fläschchen Bardolino hat schon so mancher Feinschmecker Carmens „Habanera“-Arie vergessen …

„Andar per goti!“ – „gehen wir auf ein Gläschen!“ – heißt die reizvolle Art der Ve­roneser, mittags, nachmittags oder abends eine vernünftige Grundlage zu schaffen. Dass man dabei in einer Weinbauregion nicht nur an „ein“ Gläschen denkt, sondern durchaus an „das ein oder andere mehr“, versteht sich von selbst.

 

Genauso selbstverständlich sind die verführerischen deftigen Häppchen, die zum Wein gereicht werden – nicht umsonst gilt die Stadt in der Etsch-Schleife als Geburtsort des Fingerfood. So locken die urig-gemütlichen Osterien zu einer Genusstour durch die Altstadt, um auf un­verwechselbar italienische Weise unbeschwer­te Lebensfreude zu zelebrieren. 20, 30, vielleicht 50 dieser Weinbars mögen sich in der Festspielstadt angesiedelt haben, keiner hat sie gezählt.

 

Manche haben inmitten ihrer dunklen Holzvertäfelung schon die Urgroßväter der heutigen Gäs­te bewirtet, nennen sich regionaltypisch „Ostaria“ mit zwei „a“. Andere haben erst kürzlich Fuß gefasst, glänzen mit modernen Einrichtungsideen und haben „Enoteca“ auf ihre Ladentafel geschrieben. Gemütlich sind sie alle.

Osteria mit ursprünglichem Charme

Lauschiger Laubengang vor der Osteria Sottoriva

„Und gut essen kann man bei uns auch überall“, weiß Sara, die junge Chefin der Osteria Sottoriva. „Unsere Küche ist einfach, aber ehrlich. Und mit einem Gläschen Wein dazu sind sich Einheimische und Touristen schnell nicht mehr fremd“, lacht sie. Natürlich weiß auch sie, dass in der Romeo-und-Julia-Metropole Fremde zum Stadtbild gehören. Erstaunlich, dass dabei die Osterien ihren ursprünglichen Charme und ihre traditionelle Küche bewahren konnten.

 

Sie locken mit kalter Schweinewurst und gerolltem Bauchspeck, Mortadella und Gemüsekuchen, Lardo-Crostini und Soppressa, Stockfisch und bunten Salaten. Oft stehen die Leckerbissen auf großen Tabletts an der Bar, und ein Nicken zum Wirt genügt, damit das Schlemmen beginnen kann. Abgerechnet wird zum Schluss ganz unkompliziert an der Kasse. Das kann dann so aussehen: 0,1 l Prosecco und Valpolicella: je 1,50 Euro, 0,1 l Amarone: 5 Euro, 2 Panini Pro­sciutto: je 1,50 Euro, 2 Polpettine: je 1 Euro. 

 

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