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Barcelona: die ewige Trendmetropole

Verführt,verwirrt, bezaubert, beschwingt, definiert Nachhaltigkeit neu, macht süchtig, benommen, satt und hungrig, bricht mit Tabus, inspiriert, elektrisiert.

 

Text und Bilder: Gerd Giesler

 

Marino Fuster, Gentleman und mallorquinischer Reeder, heiratet die reiche Consuelo und macht ihr mitten in Barcelona ein außergewöhnliches Geschenk: einen Jugendstil-Stadtpalast. Die Casa Fuster, erbaut von Lluís Domènech i Montaner. Das war 1908. Heute ist daraus Barcelonas schönstes historisches 5-Sterne-Hotel geworden. Dank Montaner zählt es sogar zum Weltkulturerbe, einzigartig in Spanien! Das Innenleben: das berühmte Café Vienés, das Gourmetrestaurant Galaxó, Poolterrasse, Gym sowie 105 Zimmer und Suiten, reizvoll um vier Innenhöfe gebaut. Zimmer 504, ganz in Schokoladenbraun, überrascht mit Marmorbad, Jacuzzi-Badewanne und orginal Jugendstilmöbeln. Das Schönste aber: Der Blick vom Balkon schweift über ein Häusermeer bis zum Mittelmeer.

 

Mittendrin Jean Nouvels Torre Agbar, in Form einer überdimensionalen Salatgurke, und nebenan die Sagrada Familia, deren morbide Türme mit den Baukränen um die Wette eifern. Die Stadt gibt sich geordnet, geradlinig, die längste Hauptstraße trägt den Namen „Diagonal“. Sieht man aber genauer hin, weichen Fassaden zurück wie Gummi, ja selbst der Fernsehturm erinnert eher an einen Zahnstocher mit Halterung. In Barcelona ist anscheinend alles normal, auch das Unnormale.

Ein Speisekarte von Picasso

Hauchdünn geschnitten mit Olivenöl-Tropfen serviert ist jamón ibericó ein Leckerbissen

Während Spanien um 1900 unter dem Verlust seiner wichtigsten Kolonien litt, kokettierte Barcelona heftig mit Paris und setzte der aufkommenden Industrialisierung Kunst und Kultur entgegen. Den jungen Picasso zog es in die heute noch existierende Kneipe „Els 4 Gats“ in der Carrer Montsió 3 (unweit des Picasso-Museums), wo er seine erste Auftragsarbeit erhielt: die Neugestaltung der Speisekarte. Etwa zur selben Zeit hielt das Ehepaar Fuster im theatersaalgroßen Salon ihres Anwesens am Passeig de Gràcia 132, dem späteren Café Vienés, gesellschaftliche Bankette ab, zu denen die Stadtprominenz mit Kutschen vorfuhr. Heute versinkt man mit einem Sherry in den roten Chaiselongues, lauscht dem Pianisten oder genießt jeden Donnerstag das stadtbekannte Jazz-Dinner mit internationalen Musikgrößen. Anläßlich der Premiere zu seinem Film „Vicky Cristina Barcelona“ mischte sich selbst der scheue Woody Allen unter die Musiker und zog  seine Klarinette hervor.

 

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