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Barri – wo das Leben lebt

Das Luxushotel Casa Fuster hat seine Historie liebevoll restauriert. Das hoteleigene Restaurant Galaxó kredenzt katalanische Küche mit asiatischen Akzenten

Die Freude der Fusters an ihrem Haus währte nicht lange. Die vielen feuchtkalten Winter, die immensen Heizkosten, das Personal... der Reichtum der Familie schmolz dahin, sie musste aufgeben, und unter wechselnden Besitzern, zuletzt der Endesa, drohte gar der Abriss des Hauses. Es waren wiederum die Künstler und Intellektuellen aus dem Café Vienés, deren Protest diese Institution der Barceloner rettete. Erst nach vierjähriger Renovierung öffnete die Casa Fuster 2003 erneut die Tore, diesmal als Luxushotel und idealer Ausgangspunkt für Genussreisende.

 

Zu Fuß lässt sich Gràcia und die Zona Alta, die an das Hotel grenzt, erforschen, dann die Rambla, jene weltbekannte platanenbestandene Allee mit ihren Ständen und Gauklern, auf der man vorbei am Delikatessen-Markt La Boqueria kilometerlang bis zum Hafen schlendern kann.  „Bon menjar“ – gut essen, als fröhliches soziales Miteinander, ist sowieso Hauptthema. Es muss dabei nicht mal die weltberühmte Spitzenküche eines Santi Santamaria oder Ferran Adriá sein, meist genügen ein paar „piccados“ in einer der chronisch vollen Tapas-Bars. Heimische Modedesigner wie Custo propagieren Lebenslust kontra Wirtschaftskrise, Labels wie Desigual verstärken mit psychedelischen Knallfarben das „Vamos-a-la-playa-Lebensgefühl“, auf das selbst Hollywoodstars wie Penelope Cruz und Antonio Banderas in Barcelona abfahren.

 

Zweisprachige Straßenschilder in Katalanisch und Kastilisch führen in die Barri, die schillernden Viertel der ewigen Trendmetropole, jedes für sich eine eigene Welt: L’Eixample, Mekka der Gaudí-Fans, gefolgt vom Barri Gòtic, dem touristischen Kern, die Einkaufsmeile El Born, das authentische La Ribera,  das Amüsierpflaster El Raval, einst Heimat von mittellosen Marokkanern, Nutten und Drogendealern, und natürlich La Barceloneta mit dem Port Olimpic, wo sich am breiten Stadtstrand eine mediterrane Chill-out-Bar an die andere reiht.

 

 

Die entrückte Welt von Gaudi

Gaudís Lebenswerk, die Sagrada Familia: riesige Glasfenster tauchen ihr Inneres in magisches Licht

Antoni Gaudí kam 1852 in Reus als Sohn von Kupferschmieden zur Welt. Als er in Barcelona das Architekturstudium abschloss, meinte sein Professor lakonisch: „Ich weiß nicht, ob ich einen Verrückten oder ein Genie auszeichne.“ Wie kein anderer drückte Gaudí Barcelona seinen Stempel auf: „Nur wegen meiner Bauwerke werden sie einmal kommen.“ Als Gaudí 1926 von einer Straßenbahn überfahren wurde, war der Jugendstil allerdings bereits aus der Mode und der Architekt des Himmels ein Anachronismus.

 

Barcelona ist ein Touristenmagnet. Das Tempo bestimmen die Schlangen vor den Museen und Sehenswürdigkeiten. Nicht nur, dass die Eintrittsgelder gesalzen sind, vor der Sagrada Familia oder der Casa Milà muss man mit jeweils bis zu einer Stunde Wartezeit rechnen. Und für beides sollte man sich Zeit lassen. In der Sagrada Familia lohnt der Besuch einer der beiden zugänglichen Türme.

 

Die Skurrilitäten von Gaudí in der Casa Milà, von den Barcelonern wegen der melancholisch-massiv wirkenden Hausfassade nur „La Pedrera“, der Steinbruch, genannt, besucht man am besten zur blauen Stunde. Vor allem das begehbare Dach mit den sandfarbenen Türmen und Skulpturen wirkt wie eine Art Osterinsel à la Gaudí. Nicht nur, dass diese überlebensgroßen Masken für „Krieg der Sterne“ Pate standen, hier oben begreift man die Vergeistigung des strenggläubigen Gaudí am besten. Auf die Frage, wann die Sagrada Familia denn fertig wird, soll er mit Fingerzeig nach oben ernsthaft gesagt haben: „Mein Auftraggeber hat alle Zeit der Welt.“ 

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