Weinreise: Paläste und Perlendes an der Loire
Eine Weinreise im Herbst 2011 entlang der Loire: Die Ernte ist eingefahren: der helle Chenin blanc und der dunkel violette Cabernet franc. Dank des ungewöhnlich warmen Frühjahrs, das die Trauben vier Wochen früher reifen ließ. Wie sanfte rostfarbene Wellen fallen jetzt die Weinberge hinunter an die Loire.
von Helga Baumgärtel

- Im Herrenhaus des Schlosses Amboise verbrachte Leonardo da Vinci seinen Lebensabend. Foto: Marc Jauneaud
Der geschichtsträchtige Fluss ist immer noch gekrönt von den steinernen Denkmälern ihrer französischen Herrscher, den prachtvollen Schlössern. Hoch über Saumur drängeln sich jetzt die Weintouristen aus ganz Europa an den Degustationsständen von Château Bouvet-Ladubay rund um den schäumenden Shootingstar der Loire, den Crémant. Der elegante Perlwein bietet inzwischen übrigens fast dem Nachbarn aus der Champagne Paroli mit Flaschenvolumen im zweistelligen Millionenbereich. Und das zu höchst „weinfreundlichen“ Preisen.
Kunst im Schloss an der Loire
Einige der besten Kreszenzen stammen aus einem winzigen Dörfchen oberhalb der Loire, aus St.-Hilaire-St.-Florent: Château Bouvet-Ladubay sollte man allein schon wegen seiner kulturellen Vielfalt besuchen, eines Bogens, der die Jahrhunderte überspannt. 60.000 Gäste jährlich verlieren sich unterirdisch in den acht Kilometer langen Tuffsteinkellern unter den historischen Gebäuden aus den Zeiten der industriellen Revolution, die der Gründer Etienne Bouvet 1851 erbauen ließ. 120 Weinbauern liefern ihren besten Most in die Keller von Bouvet-Ladubay. Und die Spitzen-Cuvées werden in feinster Méthode traditionelle aufbereitet. Gekrönt wird die Visite durch das, was man bei Bouvet-Ladubay „Art Concept“ nennt. Sprich: wechselnde Events in einer Galerie für moderne Kunst oder in einem vergoldeten Theaterchen im Rokoko-Stil.

- Ein Arbeiter bei der Weinlese
Ausgewählt (und in Deutschland zu beziehen) haben wir einen Bouvet Saumur brut blanc Cuvée Saphir 2009 aus Chenin blanc und Chardonnay, hochelegant, charmant mit feinen Pfirsichnoten (für 10,90 Euro). Sowie einen mehrfach ausgezeichneten Bouvet brut rosé Cuvée Excellence mit einem zarten Duft nach roten Beeren, den man durchaus zu einem leichten Menü mit Fisch oder hellem Fleisch "durchziehen" kann (für 11,50 Euro).
Und schließlich den wohl berühmtesten Crémant des Hauses, den Bouvet Saumur blanc Cuvée Taille Princesse aus der Zusammenarbeit mit Gérard Depardieu, der diesen schäumenden Superstar nach seiner Großmutter benannt hat. Denn Taille Princesse ist ein Brillantschliff, und Depardieus Großmutter war im Diamantengeschäft tätig (für 22,90 Euro).
Apropos Bouvet-Ladubay: Wohnen kann man ebenfalls im gleichnamigen Schloss. Es ist inzwischen ausgegliedert aus der Weinfirma, umgewandelt in ein Privathotelchen. Dort oben herrscht zwar Romantik pur, aber es sagen sich auch Fuchs und Hase Gute Nacht.
Besser aufgehoben ist man drunten, im zauberhaften Städtchen Saumur. Ein historisches Juwel, Weltkulturerbe, voller Geschichte und Geschichten, voll bunter Märkte und Gourmet-Stationen in den engen Gassen unterhalb des Schlosses, plus dem berühmten Cadre Noir, der französischen Hofreitschule (Vorführungen von Februar bis November).Eines der schönsten kleinen historischen Hotels direkt am Flussufer ist das Hôtel Anne d'Anjou mit seinem Restaurant Ménestrels, in dem man Entenlebervariationen serviert bekommt, die leckeren Weinbergschnecken oder - der Atlantik ist nahe - zu dieser Jahreszeit wieder frische Austern.
Zwei Häuserblocks entfernt findet man das Maison du Vin, in dem man alles probieren kann, was an den Ufern der Loire wächst. Um danach beschwingt durch die engen Gassen zu flanieren, sich verführen zu lassen von den Teppichknüpfereien, Keramiken und Gläsern und von den himmlischen Süßigkeiten im L'angle des Delices in der Rue de la Tonnelle. Das einzig "Bestirnte" im Guide Michelin ist das Restaurant Le Gambetta im gleichnamigen Gässchen. "Die Sinne sind entzückt", schreibt der Michelin über die Küche des Ehepaars Pihours, das global geschult ist - samt seiner Küche.
Perlendes mit Noblesse

- Das Château Chinon thront über dem gleichnamigen Städtchen. Foto: Marc Jauneaud
Adé Rothenburg ob der Tauber à la français und wieder rauf in die Weinberge zum nächsten Wein-Château - mit Namen Langlois, ebenso besucherfreundlich wie der Nachbar Bouvet-Ladubay. Und trotzdem ganz anders und eigenständig. Ein Showstück in drei Akten ist das, was den Besucher empfängt: Nicht nur eine Kellerführung in den Katakomben, nicht nur eine Degustation von stillen und schäumenden Kreszenzen, interessant und informativ ist auch die Weinschule mit einem kleinen Kurs in Önologie. Aus dem Repertoire vom Langlois-Château, das - man spürt es - der Champagner-Ikone Bollinger gehört, haben wir drei Crémants ausgewählt, biologisch an- und ausgebaut:
Der Crémant de Loire Blanc Brut aus Chenin blanc, Chardonnay und Cabernet franc ist frisch und elegant, mit einem Hauch von Pfirsich und Grapefruit (für 13,90 Euro). Der Crémant de Loire Rosé Brut aus 100 Prozent Cabernet franc hat einen Korb voll roter Früchte im Bukett (für 14,90 Euro). Und schließlich die Prestige-Cuvée Quadrille de Langlois-Château 2004 Extra brut. Perlendes in Sonnengelb mit goldenen Re-flexionen, nach Honig duftend und süßen Mandeln - wahrlich ein Gaumenschmeichler (für 19,90 Euro).
Übrigens, für Feinschmecker liegt ganz in der Nähe der Klassiker der Relais-&-Chateaux-Hotellerie: Le Prieuré. Die Lage ist einmalig. Küche, Service, Zimmer, alles exquisit. Für Genießer ein verwunschenes Paradies auf dem Lande.
Info
Bouvet-Ladubay,
St.-Hilaire-St.-Florent,
Tel. 0033/241/838383,
www.bouvet-ladubay.fr
Langlois-Château,
St.-Hilaire-St.-Florent,
Tel. 0033/241/402140,
www.langlois-chateau.fr
Hôtel Anne d'Anjou,
Saumur,
Tel. 0033/241/673030,
www.hotel-anneanjou.com
Restaurant Les Ménestrels,
Saumur,
Tel. 0033/241/677110
Restaurant Le Gambetta,
Saumur,
Tel. 0033/241/676666,
www.restaurantlegambetta.com
Le Prieuré,
Chênehutte-les-Tuffeaux,
Tel. 0033/241/679014,
www.prieure.com




