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Anton Schmaus – Weltenbummler in Regensburg


Historisches Eck Regensburg

 

von Jens Leichsenring

 

Das Historisches Eck Regensburg und eine Variation von der Taube.

Stockholm!“ Lange muss Anton Schmaus nicht überlegen, wenn er über die prägendste Station seiner Kochausbildung nachdenkt. „Stockholm ist weltoffen. Das gilt im Besonderen für die Küche. Es gibt keine schwedische Hochküche, so sind die Köche offen für alles.“ Ein Jahr hat der ganz ungezwungen erzählende 30-Jährige im Stockholmer Restaurant F12 gearbeitet und schwärmt noch heute von den Ideen der Skandinavier. Und so jung der deutsche Sternekoch auch ist, er hat schon viel von der Welt gesehen. „Na ja“, räumt er ein, „zumindest von den Küchen der Welt“, und erzählt von seiner Arbeit im berühmten Thomas-Keller-Restaurant Per Se in New York: „Da siehst du nicht viel von der Stadt, kommst frühmorgens in die Küche und fällst spätabends k.o. ins Bett. Aber du nimmst viel mit von der Arbeitsweise und der  Professionalität.“ Im baden-württembergischen Ehningen bei Franz Feckl hat er seine Lehrjahre verbracht und die klassische französische Küche erlernt. In Lugano bei Martin Dalsass kam die Liebe zu den italienischen Spezialitäten hinzu, bei der Schweizer Kochlegende Roland Jöhri in St. Moritz erhielt er den Feinschliff, dann kamen Schweden und die USA. „Die Skandinavier haben einen besonderen Drive“, lächelt das jüngste Mitglied der Jeunes Restaurateurs. 

 

In der Heimat kam der erste Stern

Anton Schmaus

Seit zwei Jahren ist Anton Schmaus zurück in der Heimat, in Regensburg, „wo ich Zivi war und viele Freunde habe“, nur ein paar Kilometer von seinem Heimatdorf Viechtach im Bayerischen Wald entfernt. Und seit  einem Jahr rennen ihm die Gourmets die Bude ein: „Niemand hatte damit gerechnet, dass ich so schnell einen Michelin-Stern bekomme“, erzählt er von dem Moment, als er es erfuhr. „Aber es ist schon cool!“, schmunzelt er.

 

Vom Druck, den er zugibt seitdem zu verspüren, ist im hell, aber gemütlich erleuchteten gotischen Kreuzrippengewölbe des Gastraums nichts zu merken. Die Service-Crew ist genauso jung, herzlich und unverkrampft wie ihr Chef und führt perfekt durch den Abend. Zehn Jahre war das traditionsreiche Gewölbe leer gestanden, bevor Schmaus den Eigentümer von seinem Konzept eines puristischen Restaurants mit einer leichten, jungen, modernen Gourmetküche überzeugen konnte. 34 Plätze, elf Mitarbeiter – ein Wagnis für den Jungunternehmer Schmaus. 

 

ZERLEGTES VITELLO TONNATO MIT THUNFISCHSCHAUM

Doch der Oberpfälzer hat sich mit seinem Restaurant in Sichtweite des Doms gut positioniert. Er weiß, dass er mit einer fair kalkulierten Weinkarte mit überwiegend deutschen und öster- reichischen Weinen auch junge Gäste anlockt („der Gast ist doch nicht blöd und googelt heutzutage mit seinem Handy die Preise ab Weingut …“). Und er serviert neben einigen Klassikern monatlich wechselnde Gerichte, die er unter ein Motto stellt: „die Sonne Italiens“, „regionale Wurzeln“ oder „Sommererinnerungen“, bei denen „wir kulinarisch all das nachholen, was uns heuer verwehrt geblieben ist – Sonne, laue Abende am Strand und Heu im Haar“.

 

„Die Sonne Italiens“ beginnt mit einem Gruß aus der Küche, bei dem Schmaus den Gaumen mit drei süßen, salzigen und sauren Kleinigkeiten auf die Variationsbreite seiner Küche einstimmt. Eine Idee, die er im ersten Gang mit Gänseleber, Steinpilz und Pfirsich fortsetzt: Einem Gänseleber-Parfait mit Pulver vom Steinpilz und Pfirsichcreme folgen marinierte Steinpilze mit Pfirsich und Lebercreme und eine gebratene Gänseleber mit Steinpilzen – ein gelungenes Spiel mit Konsistenzen und den Geschmacksknospen. 

Dann die Minestrone. „Wenn man mich nach einem typischen Schmaus-Gericht fragen würde, das wär’s am ehesten“, sagt  der Chef über den aufwendig geometrisch gestalteten Teller mit  zarter, auf niedriger Temperatur gegarter Gelbschwanzmakrele  und unterschiedlichen Gemüsetürmchen aus Sellerie- und  Bohnenpüree, Lardo-umwickeltem Tomatengelee und Kartoffelchips, am Tisch aufgegossen mit einem feinaromatischen Fond.  Es folgt als Fischgang eine Dorade auf Wassermelonen-Spiegel mit gegrillter Wassermelone (ein aromatisch leider uninteressanter Trend, dem sich auch Schmaus nicht entziehen kann) und  Melone mit karamellisiertem Anis. 

 

Schließlich das Vitello Tonnato, das Schmaus in seine klassischen Einzelteile zerlegt und neu zusammen­stellt: ein butterzartes rosa Kalbsfilet unter einer feinen Scheibe rohem Thunfisch, angerichtet auf Kaperncreme mit Tomate und Thunfischschaum. Eine leichte, stimmige Komposition, die Schmaus’ Idee einer jungen, aromenreichen, aber fettarmen, überraschenden, aber vor allem für alles offenen Küche widerspiegelt. Es wird nicht lange dauern, bis Jungköche aus aller Welt bei ihm anklopfen, um Schmaus’ neuen deutschen Küchenstil zu erlernen. 

 

Info

Historisches Eck

Watmarkt 6

93047 Regensburg

Telefon: 0941/46524734

www.historisches-eck.de

 

geöffnet: dienstags bis samstags 12–14 Uhr und 18–1 Uhr

 

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