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Bestellung per iPad, Wein via Plastikschlauch – lohnt das Münchner La Baracca einen Besuch? Unser Autor war dort und hat getestet
Text: Jens Leichsenring

- Ungewöhnlich, aber edel: der Lounge-Bereich des La Baracca mit vielen Sofa-Elementen zum „lässigen Lümmeln“
Warum gehe ich zum Essen?“, heißt die Frage, die man sich vor dem Besuch des La Baracca stellen sollte. Mögliche Antworten sind: a) „um satt zu werden“, b) „zur Unterhaltung“, c) „um einen gemütlichen Abend zu verbringen“. Wer mit c) antwortet, sollte sich lieber für ein echtes Restaurant entscheiden. a)- und b)-ler dürfen und sollten getrost reservieren – vorzugsweise einen Tisch ab 20 Uhr, denn wer vorher kommt, muss seinen Platz bis 21 Uhr für die zweite Schicht räumen. Vielleicht pilgert das Szenepublikum der Isar-Metropole deshalb lieber in andere Lokale – ins Hugo’s oder Brenner.
Am Eingang überreicht eine Dame jedem Gast eine Magnetkarte, über die alle Bestellungen abgerechnet werden. Man könne sich aber heute leider im Lounge-Bereich wegen zweier Krankmeldungen nicht sehr um uns bemühen. „Es wird dauern!“ Die Dame verspricht nicht zu viel. Zeit, die gelungene Inneneinrichtung zu bestaunen: Im Lounge-Bereich für den Aperitif locken dunkelbraune Alcantara-Sofa-Elemente mit poppig gestreiften Kissen. Dazwischen Designer-Stühle, eine Sprossenwand, allerlei Turngerät und Holzstadl-Equipment. Im Zentrum eine der elektronischen Weinbars mit rund zwei Dutzend offenen Flaschen hinter Glas.
Bestellung über Touchscreen-Display

- Tisch-Reservierung online: Im Internet waren alle Tische um 20 und 20.30 Uhr besetzt –
Das Prinzip ist witzig: Glas nehmen, Wein wählen, Magnetkarte an den Leser halten, Menge wählen (Probeschluck, 1/8 oder 1/4 Liter) und schon schießt der Wein durch einen Plastikschlauch ins Glas. Dass acht Flaschen leer sind und vier Displays defekt, beschäftigt uns nicht weiter, sondern die einzig verbliebene Servicekraft. Bei uns taucht sie erst nach 15 Minuten auf, bringt statt des bestellten Prosecco einen Spumante und verweist – leider erst jetzt – auf die Selbstbedienung an der Weinbar. Heute abend die bessere Wahl im Vergleich zum Service.
Im Restaurantbereich werden die Reservierungen auf 16er-Tische aufgeteilt – es wird eng. Doch die volle Aufmerksamkeit der Gäste gilt ab sofort sowieso der Bestellung und nicht den Nachbarn. Jeder Gast hat ein Touchscreen-Display vor sich, über das er Getränke und Speisen odern kann. Zur Entscheidungsfindung steht für die meisten Speisen ein Bild zur Verfügung. Immer wenn der Hunger kommt, greift man also zum Display und ordert ein neues Gericht. Unter den Gästen lässt sich die Lieferung leider nicht koordiniern. Selbst wenn alle die Bestellung auf Komando gleichzeitig eintippen und losschicken, sind die Lieferzeiten unterschiedlich.
Der Flirt mit dem Kellner fehlt

- Die La-Baracca-„Erfinder“ (v.l.n.r.): Cosimo Gericke, Winzer aus Italien, Patrik Jaros und Gastronom Mark Korzilius
Unter den Gästen lässt sich die Lieferung leider nicht koordiniern. Selbst wenn alle die Bestellung auf Komando gleichzeitig eintippen und losschicken, sind die Lieferzeiten unterschiedlich. So isst meist jeder für sich allein, sonst wird’s kalt. Unterhaltsam ist das System allemal, denn geliefert werden kleine Portionen zu Preisen von rund 5 bis 6 Euro pro Hauptgericht. So lässt sich vergnüglich durchs Menü touchen und verkosten: würzige Meatballs (3,80 Euro), knusprige Pizzas (5 Euro), zartes Entrecôte mit San Daniele (8,50 Euro) oder Apfelkuchen mit Eis (3,50 Euro) – alles perfekt gegart, kräftig gewürzt und urig serviert auf Holzbrettchen oder in kleinen Pfännchen. Gesamtnote: lecker! Dazu lässt sich eine der fair kalkulierten Flaschen Wein bestellen, glasweise ausgefallene Weine ordern (z.B. „Tignanello 2001“ für 16 Euro) oder zur Weinbar schlendern.
Doch so unterhaltsam das häppchenweise digitale Ordern ist, uns fehlte der kleine Flirt mit dem Kellner, das Fachsimpeln mit dem Sommelier und seine persönliche Empfehlung. Es könnte in diesem stilvoll eingerichteten Restaurant mit vorzüglichen Weinen und gutem Essen doch alles so gemütlich sein. Doch nach dem Besuch stellt sich wieder die Frage nach dem Warum: Warum setzt ein Restaurant auf den digitalen Service? Der Gast braucht ihn nicht.
Informationen
La baracca – Cucina Italiana
Maximiliansplatz 9, 80333 München
U-Bahn-Station: Odeonsplatz (westlicher Aufgang zur Brienner Str.)
Tel. 089/41617852, Fax 089/41617853
www.labaracca.eu (mit Online-Tischreservierung)
geöffnet Mo.–So. 11.30–1.00 Uh





