La Bécasse: "Lecker" auf höchstem Niveau
Christof Lang, Chef des La Bécasse in Aachen, willl seinen Stil schlicht mit lecker benannt wissen. Gelingt ihm gut.
Text: Lotte Becker-Voss, Fotos: La Bécasse

- Im Aachener La Bécasse dominiert schlichte Eleganz den Raum ...

- ... und raffinierte Handwerkskunst den Teller. Dazu umschmeicheln zarte Aromen gekonnt den Gaumen.
Um keine falschen Hoffnungen zu wecken – Schnepfen bekommt man im La Bécasse nicht serviert. Auch wenn der Name das vermuten lässt. Der flotte Laufvogel ziert lediglich die Speisekarte. Warum das Restaurant so heißt, verliert sich in der Vergangenheit der Vorbesitzer.
Statt der Sumpfschnepfe gibt es aber allerhand anderes Geflügel, auch das der extravaganten Art. Mir schmeckte zum Beispiel das Bressetäubchen à la Apicius, mit Zwiebelconfit und Schalotten, ganz vorzüglich. (Für Wissensdurstige: Marcus Gavius Apicius lebte als Caesars Feldherr um die Zeitenwende und hinterließ das wohl älteste Kochbuch der Welt „De re coquinaria“, zweisprachig im Buchhandel zu haben.) Clou dieses Rezepts sind die zig Gewürze, die keiner mehr kennt, die Chef Lang aber ausgiebig ausprobiert hat, um einen annähernd „antiken“ Geschmack herbeizuführen.
Allerbeste Produkte von Nebenan
Nach meiner Zunge absolut gelungen. Das zarte Täubchenfleisch war umgeben von einer überaus delikaten Sauce, deren Zutaten man allenfalls erahnen konnte. Rundum ein aparter Genuss. Christof Lang ist Küchenchef und Patron im La Bécasse. Und ein privilegierter Koch. Denn seine Quellen allerbester Produkte liegen vor der Haustür im Dreiländereck: Zwanzig Minuten braucht er nach Belgien, zwanzig Minuten nach Holland. Dort warten die tollsten Märkte mit Allerfrischestem auf den engagierten Sternekoch. Vor allem Fisch bekommt er hier vom Feinsten.
Extra-Gang als Geschenk
Deshalb befinden sich auch Fischgerichte in großer Zahl auf der Karte. Und ein Lang-Gag: Wenn in einer Tischrunde alle das gleiche Menü bestellen, gibt es für jeden einen Gang zusätzlich geschenkt. Bei unserem Besuch war das ein Wolfsbarsch in Lavendelkruste mit dicken Bohnen und einer Champagnerreduktion. Köstlich der nach Geheimrezept geräucherte Wildlachs, saftig auf Spinatblättern arrangiert, umkränzt von frisch-lieblichem Kalbsfond mit Honig und Limette. Jedes Aroma ganz sanft angetippt, sodass sich eine runde Geschmackssinfonie am Gaumen entwickelt.Der wild gefangene Steinbutt wird mit Trüffelspänen getoppt.
Lang ist auch für Überraschungen gut. Als Gruß aus der Küche gab es ein simples rösches Brot mit Ketakaviar und eines mit hauchdünn geschnittenem rosa Roastbeef auf einer delikaten Honig-Dill-Senfsauce. Eigentlich zu viel für ein Amuse-Bouche, aber kolossal lecker.
Stil: schlicht und lecker
Apropos lecker: So und nicht anders will der Meister seinen Stil benannt wissen. Stimmt! Aber wir möchten noch hinzufügen: „fantasievoll, handwerklich prägnant konturiert, mit sensibler Finesse.“ Selbstverständlich sind auch die Sorbets hausgemacht. Eine Crème Brulee kommt in Begleitung eines mit Caramel gefüllten Eclaires und einer buttrigen Schokoladencrème, die jede Mousse in den Schatten stellt. Getrunken wird überwiegend französisch, was zu den französisch pointierten Speisen passt. Der Service agiert flott, liebenswürdig und aufmerksam.
Info
La Bécasse,
Hanbrucherstraße 1, 52064 Aachen,
Tel. 0241/74444,
www.labecasse.de
Küche: Mittagessen und Abendessen,
geschlossen: Samstag- und Montagmittag, Sonntag,
Menü ab 48 Euro, mittags ab 34,50 Euro,
Reservierung empfohlen





