"Menu im kleinen Raum" - Alternativer Hochgenuss
Das Genussspektakel von Martin Ivenz und Ann-Katrin Garbas findet in den Stuttgarter Wagenhallen statt. Aktuell ist der Weg zum "Menu im kleinen Raum" auf Grund der umbefestigten Wegen drum herum noch recht recht matschig! Aber es lohnt sich ...
Von Alexandra Wolters

- 26 Plätze, einzigartiges Ambiente: Der Kleine Raum
Gummistiefel wären nicht schlecht. Auch wenn sie nicht zu den edlen weißen Tischdecken und Speisen wie Loup de Mer im Kartoffelblatt oder Crépinette von der Wachtel passen. Aber der Weg zum "Menu im kleinen Raum" kann ziemlich matschig sein. Denn das Genussspektakel von Martin Ivenz und Ann-Katrin Garbas findet in den Stuttgarter Wagenhallen statt, den Depots des ehemaligen Nordbahnhofs, die noch von Baustellen und unbefestigten Wegen umgeben sind.
Heimat alternativer Kultur
Das Areal ist die Heimat der alternativen Kultur in Stuttgart: Zwischen den alten Backsteinwänden verwirklichen Künstler ihre Ideen, Musiker ihre Konzerte - und zwei Köche ihre Kreationen. "Vor etwa zwei Jahren war ich für eine exklusive Veranstaltung in den Wagenhallen gebucht", erinnert sich Martin Ivenz. Der Auftritt des Stuttgarters weckte bei den Pächtern den Wunsch, den Industrie-Charme regelmäßig mit gehobener Gastronomie zu kombinieren.
Und so verwandelt sich seit Ende 2010 mindestens einmal im Monat der "kleine Raum" in eine kulinarische Oase. Dann wird eine lange Tafel aufgebaut, edel eingedeckt und mit Silberleuchtern dekoriert. Im Winter flackert der gusseiserne Industrieofen, im Sommer wirft das Lagerfeuer im Hof Funken an die hohen Sprossenfenster.
Konzept und Ambiente: schlicht

- Hohe Kochkunst in alten Industriemauern: Martin Ivenz
Jeder der 26 Gäste bekommt das gleiche 5-Gänge-Menü mit Weinbegleitung. "Unser Konzept ist ebenso schlicht wie das Ambiente. Aber auch überraschend", erzählt Ann-Katrin Garbas. Die 30-jährige Stuttgarterin freut sich immer wieder über die Gesichter ihrer Gäste, wenn sie die festlich hergerichtete Halle betreten oder sich die ungewöhnlichen Kreationen wie Schwarzwurzelsuppe mit Kalbsbries schmecken lassen.
Sowohl Garbas als auch Ivenz haben schon in Sterneküchen mitgewirkt, unter anderem bei Vincent Klink und Andreas Caminada. "Dort haben wir viel gelernt - hier können wir uns richtig austoben und eigene Ideen umsetzen." Als natürliche Produktküche bezeichnet der 28-jährige Ivenz das "Menu im kleinen Raum".
Eigentlich kann er die Begriffe regional und saisonal nicht mehr hören. Aber sie sind nun mal bedeutender Bestandteil seiner Kreationen wie der Hirschrücken vom Jäger Karl. "Ein Freund von der Schwäbischen Alb, bei dem ich regelmäßig Prachtexemplare an Wild entdecke." Neben dem Ambiente sind die sorgfältige Auswahl der Produkte und das gute Gespür für Qualität das große Plus des "Menu im kleinen Raum."
So schmeckt der Hirsch nach Wald und die Jakobsmuscheln nach Meer. Dazu harmoniert die Soße aus Pfefferkirschen und bittersüßem Chicoree. Ivenz und Garbas verstehen Kochen mehr als Handwerk denn als Kunst. "Bei uns gibt es keine mit der Pinzette errichteten Türme und Tätowierungen auf dem Teller, dafür aber gerne mal Nachschlag."
Und Gespräche. Denn im "kleinen Raum" sitzen alle Gäste an einem Tisch. "Wir haben hier Bürgermeister und Gemüsehändler, Professoren und Studenten zu Gast", erzählt Ivenz. Und ab und zu auch schon mal eine 300-köpfige Gesellschaft, die erst in den Hallen ihre Wanderschuhe und Gummistiefel gegen Pumps und Lackschuhe tauscht. Das wird nach der Asphaltierung der Wege nicht mehr nötig sein. Die zwanglose Stimmung und der Hauch von Abenteuer werden aber sicher bleiben.
Info
Menu im kleinen Raum in den Wagenhallen Stuttgart,
Innerer Nordbahnhof 1, 70191 Stuttgart,
Tel. 0711/2537012,
Reservierung: stefan@kleinerraum.de,
5-Gänge-Menü inklusive Getränke 100 Euro,
www.wagenhallen.de/kueche.html





