Restaurant Goldener Anker: Für Schalke und Dorsten
Sternekoch Björn Freitag macht mit seiner kreativen Küche Fußballer und Feinschmecker glücklich.
Von Lotte Becker-Voss

- Sternekoch, Schalke-Verköstiger und TV-Vorkoster: Björn Freitag (Mitte) verliert trotz seines Engagements nicht den Blick für kulinarische Höhepunkte in seinem Restaurant Goldener Anker. Foto: Goldener Anker
Björn Freitag einen Tausendsassa zu nennen, klingt etwas salopp, kommt der Wahrheit aber doch nahe. Aus dem einstigen Jungen Wilden ist ein Spitzenkoch mit vielerlei Facetten geworden. Zum einen führt er ein Gourmetrestaurant im seit genau 100 Jahren in Familienbesitz befindlichen Gasthaus. Zweitens ist er „Der Vorkoster“ in der gleichnamigen Kochsendung des WDR. Und drittens ist er offizieller Schalke-04-Mannschaftskoch. Reife Leistung! Dass darunter der Gourmetbetrieb nicht leidet, zeigt der Michelinstern, der seit zehn Jahren über dem Anker leuchtet.
Freitag hat ein Händchen fürs Dekorative. Alles, was auf den Tellern erscheint, ist liebevoll und mit Bedacht geschmückt. Vom getrüffelten Selleriepüree bis zu den Dessertsorbets in vier Sorten, getoppt von karamellisierten Pistazien, Schokosplittern, Zuckerfäden und Fruchtgeltropfen.
Aus der Küche wird mehrfach gegrüßt, u.a. mit einem fein säuerlichen Cappuccino von Mais und Kokos, in Sesam gebratenem Lachs auf Mus von frischen Erbsen und einem Klacks Dillgel und einem Stück Kalbstafelspitz auf Pommerysenf-Julienne. Unübersehbar der Hang zu säuerlichen Geschmacksnoten. Die sind so zart eingesetzt, dass kein Unbehagen über zu viel Saures entsteht. Im Gegenteil: Eine angenehme Frische streichelt den Gaumen. Etwa bei den Balsamicolinsen zu Jakobsmuscheln mit sanft würzigem Krustentierschaum. Oder bei einem aparten Strammen Max von der Wachtelbrust mit Selleriepüree, gebratener Gänseleber und Trüffelspänen. Das Carpaccio stammt vom Wagyu-Filet und wird klassisch ergänzt mit Kräutersalatblättchen und Parmesanschaum.
Krustentiere für Feinschmecker

- Modern, elegant, Pop-Appeal: Das Interieur des Goldenen Ankers. Foto: Goldener Anker
Apropos Krustentiere: Die bereitet man hier besonders gern und gekonnt zu. Zum Loup de Mer ein Hummer-Ratatouille mit Wurzelgemüse und Olivenschmelze. Der fruchtige Akzent kommt auch im markant marinierten Butterfisch mit Avokadopüree und Birnensugo zur Geltung sowie in einer sautierten Maischolle mit Orangen-Rosapfeffer-Relish und Fenchelpüree. Weil Freitag gut und gern mit Nuancen arbeitet, nennt er die Fleischrücken „Buckel“. Das klingt ja auch viel saftiger. Und in der Tat, die Buckel präsentieren sich besonders saftig, gleicher maßen vom Hirsch, Kaninchen oder Maibock. Highlight für Fischfans: der Sauerbraten vom Steinbutt, serviert mit getrockneten Sauerkirschen und Kohlrabi.
Das altehrwürdige Gasthaus präsentiert sich innen von cooler Eleganz in Schwarz, Silber, Grafit und Rehbraun. Edel das gehämmerte Robbe-&-Berking-Silberbesteck und das Reichenbach-Porzellan in extravaganten Formen. Lila die Tischblumen, das Kartenbändchen und die Blusen der Damen vom Service – alles durchgestylt. Und die Brigade agiert charmant, flink und geradezu herzlich.
Info
Restaurant Goldener Anker,
Lippetor 4, Zufahrt über Ursulastraße,
46282 Dorsten,
Tel. 02362/22553,
www.bjoern-freitag.de
Küche ab 18 Uhr, montags und dienstags geschlossen,
Menü ab 54 Euro





